Fu Go



Für viele Kinder ist ein Ballon etwas Schönes, etwas was Spaß macht. Doch nicht erst seit dem Videospiel Clash of Clans wissen wir,  dass Ballons durchaus gefährlich sein können.
Bereits 1849, bei der Belagerung Venedigs, setzten Österreich-Ungarische Truppen Bomben, die an Ballons gebunden wurden, ein. Militärisch war die Wirkung zwar gering, aber die ständige Angst wirkte sich auf die Psyche der Bevölkerung aus.Da die Trefferquote so gering war, sah die K.u.K (Anm. d. Redakteurs: Kaiserlich und Königlich) Armee von weiteren Einsätzen ab.
Ihren bekanntesten Einsatz hatten die Ballonbomben im Japan des zweiten Weltkriegs, wo sie Fu Go genannt wurden, was auf Deutsch so viel wie Luftschiffbombe heißt. Die Ballonbomben wurden von der militärischen Führung ausgewählt, da die Generäle sich nach der sogenannten Doolittle Raid, der Bombardierung des Japanischen Festlands, zu einer Racheaktion gezwungen fühlten und die Japanischen Flugzeuge nicht in der Lage waren, das Amerikanische Festland zu erreichen, da die meisten Flugzeugträger zerstört worden waren .In der Zeit zwischen Herbst 1944 und Frühling 1945 starteten die Japaner über 9.000 Fu Go’s. Entgegen der hohen Erwartungen zeigten auch die Japanischen Ballonbomben kaum Wirkung. Von den 9000 gestarteten Ballons erreichten geschätzt 1000 Bomben das Zielgebiet: Nordamerika. Bis auf einen Treffer mit sechs Toten hatten sie aber kaum einen nennenswerten Effekt. Auch die Waldbrände, die erzielt werden sollten, fanden nicht statt, da die Ballons fast nur im Herbst und Winter verwendet wurden. In diesen Jahreszeiten war es aber zu feucht, sodass das Laub nicht in Brand gesetzt werden konnte. Der größte Erfolg der Fu Go war die Unterbrechung der Stromversorgung des Manhattan-Projekts-dem Atombombenprojekt der Amerikaner. Da aber die Notstromversorgung funktionierte, gab es hier allerdings weder eine Kernschmelze noch Tote. Trotz der geringen militärischen Erfolge hatten die Bomben auch hier einen psychologischen Effekt auf die Bevölkerung.  Die letzte scharfe Japanische Ballonbombe wurde 1955 entdeckt, eine andere, durch Wind und Wetter entschärfte Bombe, 1992 in Alaska. Durch die von der Presse verhängte Nachrichtenblockade über die Bomben, glaubten die Japaner, dass die Bomben  ein Fehlschlag waren und gaben das Projekt Luftschiffbombe auf.
Auch die Briten setzten im zweiten Weltkrieg Ballons als Waffen ein, die teilweise mit Stahlseilen zur Unterbrechung deutscher Stromnetzte per Kurzschluss oder mit Brandbomben bestückt wurden. Diese Ballons waren sehr viel primitiver als die der Japaner. Sie verfügten weder über eine Höhensteuerung noch flogen sie in der Höhe der Fu Go. Die Ballons der Operation Outward kosteten die Briten nur 35 Schilling pro Stück. Die größten Erfolge der Outward-Ballons waren die Entfachung von Waldbränden in Ostpreußen und im Kreis Berlins sowie die Zerstörung  des E-Werks in Böhlen durch einen Brand, der durch einen Kurzschluss ausgelöst wurde.  Ein Erfolg war auch, dass die deutsche Luftwaffe versuchte, die Ballons abzuschießen, was die Briten zum Weitermachen ermutigte, da dies erstens deutsche Flugzeuge beschäftigte und zweitens war es für die Deutschen aufwändiger einen Ballon abzuschießen als für die Briten einen herzustellen. Der letzte britische Ballon wurde im September 1944 gestartet.



Niklas Gläßgen


Bildnachweis: http://de.wikipedia.org/wiki/Ballonbombe