100 Jahre Erster Weltkrieg


Es ist die Urkatastrophe  des 20. Jahrhunderts. Ab August 1914 bekriegen  sich die europäischen Großmächte mit Stahl, Feuer und Giftgas. Dabei sind die damaligen Herrscher fast alle Teil einer Familie.  Der deutsche  Kaiser  Wilhelm II ist der Enkel der britischen Queen Victoria, der russische Zar Nikolaus  ist der Mann von Wilhelms Cousine. Der erste Weltkrieg  zerstört  sämtliche Bande der Herrscher und verändert die komplette gesellschaftliche Ordnung in Europa. Kaiserreiche fallen und auf dem verbrannten Boden findet der Faschismus mehr und mehr Anhänger.
Die Eskalation startet bekanntlich mit dem Attentat von Sarajevo, der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand ist tot, ermordet von serbischen Nationalisten. Der Kaiser der K.u.K Monarchie (Österreich - Ungarn) stellt Serbien daraufhin ein Ultimatum: Auslieferung der Attentäter von Sarajevo und eine Untersuchung von K.u.K Polizisten in Sarajevo. Dies wird allerdings, nach Zusicherung militärischer Unterstützung  von Russland, als Eingriff in  die  Souveränität Serbiens abgelehnt.
Österreich-Ungarn lässt sich bereits während des Ultimatums einen "Blankoscheck" von Deutschland ausstellen, der die vollständige militärische Unterstützung Österreichs durch das Deutsche Reich garantiert. Die deutschen Generäle drängen auf einen baldigen Krieg, sie wollen zuschlagen, bevor Russland an Stärke gewinnt. Auch Frankreich, das mit Russland  verbündet war stellte ein Problem dar, denn auch der französische Präsident Raymond Poincaré sichert Belgrad seine Unterstützung zu. Am 28. Juli erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg, am 29.7 begann der Beschuss von Belgrad durch drei Schlachtschiffe. An diesem Tag bekam der britische Botschafter in Berlin mitgeteilt, das Deutschland die Neutralität Belgiens missachtend, Frankreich vom Nordosten aus angreifen werde. Wenn Großbritannien sich neutral verhalten würde, würde das Deutsche Reich allerdings keine Gebietsforderungen an Belgien oder Frankreich stellen. Am nächsten Tag ordnete Zar Nikolaus II die Mobilmachung der Russischen Armee an, was allerdings erst am 31. Juli öffentlich wurde. Kaiser Wilhelm II stellte daraufhin ein Ultimatum,  das die Rücknahme der Mobilmachung bis um 12:00 Uhr des 1. Augustes russischer Ortszeit forderte.  Als diese Ausblieb erklärte er Russland den Krieg. Dies löste eine Kettenreaktion aus. Österreich-Ungarn erklärte Russland den Krieg, Frankreich erklärte Österreich den Krieg und das Deutsche Reich erklärte Frankreich den Krieg . Der deutsche Schlieffen-Plan sah die Umgehung des Festungsgürtels Frankreichs zwischen Verdun und Belfort und die schnelle Unterwerfung Frankreichs vor, um nicht in einen Zweifrontenkrieg verwickelt zu werden, was allerdings die Neutralität Belgiens verletzte. Das führte zum Kriegseintritt der Belgischen Garantiemacht Großbritannien. In den ersten Wochen konnten die Deutschen Belgien und den Nordosten Frankreichs erobern und standen kurz vor Paris, was zum Umzug der Französischen Regierung nach Bordeaux führte. Französische und Britische Truppen konnten allerdings während der Schlacht an der Marne die Deutschen Truppen an die Aisne zurückzwingen, wo diese sich eingruben. Hier fand der Grabenkrieg seinen Anfang. Im weiteren Verlauf des Jahres entstand eine zusammenhägende deutsche Front aus Schützengräben die, teilweise nur 50 m von den französischen Stellungen entfernt, von der Schweiz bis an die Nordküste Frankreichs verliefen. Im Osten wollte die oberste Heeresleitung (OHL) sich, bis zum geplanten Sieg über Frankreich, defensiv verhalten. Da Russland früher als erwartet in Ostpreußen einfiel wurde dieser Plan zunichte gemacht, die deutschen Armeen wurden zurückgedrängt, dann aber verstärkt und Paul von Hindenburg und Erich Luddendorf übertragen.
In mehreren Schlachten (Schlacht bei Tannenberg) konnten die beiden angreifenden russischen Armeen geschlagen und weitestgehend vernichtet werden. Österreich-Ungarn musste sich aufgrund der gewaltigen russischen Übermacht aus Galizien (Landschaft in Südpolen) zurückziehen, die deutschen Truppen konnten die Österreichischen nicht entlasten. Nach der Offensive von Lodz und dem abgefangenen Angriff auf Krakau ging man auch im Osten zum Grabenkrieg über. Der Konflikt der den Krieg ausgelöst hatte, also die K.u.K Monarchie gegen Serbien, war eigentlich nur ein Nebenschauplatz. Drei österreichische Offensiven gegen Serbien schlugen aufgrund schlechter Planung und erbittertem Widerstand der Serben fehl. Durch den Kriegseintritt des Osmanischen Reiches auf Seiten der Mittelmächte wurden mehrere neue Fronten eröffnet: die Kaukasusfront an der das Osmanische Reich gegen Russland kämpfte,  die Mesopotamiefront am Persischen Golf wo die Osmanen gegen Britisch-Indische Truppen Krieg führte und die Palästinafront wo Osmanische Soldaten das von den Briten besetzte Ägypten angriffen. In den Kolonien wurde der Krieg schnell beendet. In nur wenigen deutschen Kolonien waren Schutztruppen stationiert. Auf dem asiatischen Kontinent fiel die letzte Deutsche Kolonie, Tsingatu, Ende 1914. In Afrika konnte sich allein Deutsch-Ostafrika den gesamten Krieg behaupten.
Im Kriegsjahr 1915 suchte das Deutsche Reich bereits die Kriegsentscheidung an der Ostfront, denn es drohte eine gefährliche, strategische Situation für Österreich-Ungarn, da der Kriegseintritt Italiens auf Seiten der Entente sich abzeichnete. Russland wurde zum großen Rückzug gezwungen, d.h die russische Armee räumte Polen, Litauen und einen Teil Livlands. So konnten die Mittelmächte  wichtige Städte wie Warschau  und Vilnius erobern. Im Westen bildeten sich nun Materialschlachten heraus, die bezeichnend für den ersten Weltkrieg werden sollten. In dieser Taktik (der Entente) wurden die gegnerischen Stellungen erst massiv mit Artillerie beschossen um die feindlichen Truppen zu demoralisieren, darauf folgten starke Infanterieangriffe. Da die Deutschen durch den Beschuss gewarnt waren schlugen diese Angrifffe allerdings fehl.
Im April 1915 setzte Deutschland in der Zweiten Flandernschlacht erstmals Chlorgas ein, was als Geburtsstunde der Massenvernichtungswaffen gilt. Ebenfalls im April versuchten die Alliierten, die griechische Neutralität missachtend, Konstantinopel zu erreichen, was allerdings durch unerwartet heftigen osmanischen Wiederstand scheiterte.
Im Mai trat Italien auf Seiten der Entente in den Krieg ein und erklärte Österreich den Krieg.
Die Mittelmächte befanden sich nun in einer schweren Lage, denn Österreich wurde von drei verschiedenen Seiten angegriffen (Serbien im Südosten, Russland im Nordosten und Italien im Südwesten). Auch die Mittelmächte erhielten Verstärkung: Bulgarien ,was die Überlegenheit der Mittelmächte auf dem Balkan verstärkte. Bulgarien konnte von den Mittelmächten umfassendere Angebote, auf Kosten Rumäniens und Griechenlands deren Kriegseintritt erwartet wurde, bereitet werden als von der Entente.
Aufgrund dieser Verstärkung starteten die Mittelmächte  im Oktober den Serbienfeldzug, der bereits nach einem Monat  den erwarteten Erfolg brachte. An der Kaukasusfront hatte die osmanische Armee schwere Verluste zu tragen, eine osmanische Offensive gegen den Suezkanal verlief erfolglos. Dafür konnten die Osmanen einen Sieg an der Mesopotamienfront verzeichnen, die Briten konnten weit zurückgedrängt werden. Bereits im Februar 1915 erklärte das deutsche Reich das Gebiet um Großbritannien zu Kriegsgebiet und erklärte den U-Boot Krieg gegen britische Handelsschiffe, was aber auf Drängen der USA wieder zurückgenommen wurde.
Im Jahr 1916 eroberten österreichische Truppen Albanien und Montenegro,wo italienische Soldaten stationiert waren.
Im Februar begann die Schlacht um Verdun, die wohl bekannteste Schlacht des Krieges. Die OHL entschloss sich zu einem Angriff auf die stärkste Festung Frankreichs um ihrerseits die Front wieder in Bewegung zu bringen und die französischen Truppen zu demoralisieren sollte Verdun in die Hand der Mittelmächte fallen. Um der Lebensmitttelknappheit im Deutschen Reich zu verkleinern sollte die deutsche Hochseeflotte versuchen die Britische Blockade aufzuteilen und zu zerstören. Diese Bemühungen endeten in der Schlacht von Skagerrak, der größten Seeschlacht der Geschichte.
Die Britische Seeherschaft konnte nicht gebrochen werden, die Kräfteverhältnisse blieben gleich. Die Alliierten planten für Mitte 1916 drei Großoffensiven (Schlacht an der Somme, Brussilow Offensive und Isonzoschlachten). Aufgrund der Schlacht von Verdun und der Österreichischen Südtiroloffensive startete allerdings nur die Brussilow Offensive pünktlich. In der Schlacht an der Somme wurden die Deutschen 10 Km zurückgedrängt, in der Brussilow Offensive konnten die Russen teilweise bis zu 120 km vorrrücken und mehrere wichtige Städte besetzen, einzig die Isonzoschlachten brachten nicht den gewünschten Erfolg. Im August 1916 trat Rumänien auf Seite der Alliierten in den Krieg ein.
Die schlecht ausgestattete rumänische Armee konte Siebenbürgen einnehmen, musste sich dann aber zurückziehen. Am Ende des Angriffs der Mittelmächte konnten die Rumänier nur noch den Nordosten halten. Da Rumänien über sehr viele gelagerte landwirtschaftlichen Erzeugnisse verfügte, die in die Hand der Mittelmächte fielen konnte die Nahrungsknappheit in Deutschland gemindert werden. Nach dem Sieg über Rumänien luden die Mittelmächte die Entente zu Friedensverhandlungen ein was allerdings von den Alliierten abgelehnt wurde.
Auf drängen der Obersten Heeresleitung gab Kaiser Wilhelm II im Januar 1917 die Genehmigung für die Wiederaufnahme des uneingeschränkten U- Boot Kriegs.Das führte zum Kriegseintritt der USA.
Im Jahr 1917 kam die Entlastung an der Ostfront durch die russische Revolution. Es kam zu einem mehrtägigem Waffenstillstand und zu Friedensverhandlungen. An der Westfront zogen sich die Deutschen nun in stärkere Befestigungsanlagen zurück wie z.b. die Siegfriedsstellung. Zwei neue Großoffensiven der Alliierten schlugen fehl.
An der Mesopotamiefront erneuerten die Briten ihre Offensive Richtung Bagdad, die mit der Einnahme Bagdads endete was ein schwerer Schlag für die Mittelmächte war. Im Juni 1917 trat schließlich Griechenland auf Seite der Entente in den Krieg ein.
An der Italienfront konnten die Mittelmächte in der 12. Isonzoschlacht 130 km vordringen und auf 30 km an Venedig heranmarschieren. An der Palästinafront konnten die britischen Kavalleristen einen riesigen Erfolg erzielen und Jerusalem einnehmen, das vorher, um die heiligen Stätten nicht zu beschädigen, von den Osmanen geräumt wurde.
Im März 1918  kam es zum endgültigen Frieden mit Russland. Dabei fiel Livland an das Deutsche Reich, Polen und Litauen sowie Teile des Kaukasus mussten von Russland geräumt werden.
In Deutschland und Österreich kam es aufgrund der Lebensmitttelknappheit zu Streiks, die nur militärisch unterdrückt werden konnten. An der Westfront konnten die Deutschen zum ersten mal seit 1914 zahlenmäßige Überlegenheit erlangen, welche in zwei Offensiven allerdings verspielt wurde. Auch verweigerten die deutschen Soldaten nun in immer größerer Zahl Befehle.
Das blieb der OHL nicht verborgen und um die Moral zu erhöhen wurde eine neue Offensive gestartet, die bis an die Marne vorrücken konnte. Am 18. Juli wurde dieser Angriff allerdings gestoppt und zurückgetrieben. Der 18.7  gilt unter Historikern noch heute als Wendepunkt an der Westfront. Im August 1918 wurde schließlich die Hundertageoffensive der Alliierten gestartet. Diese Offensive stieß auf nur wenig Gegenwehr, die deutschen Truppen waren komplett demoralisiert. Dennoch konnten die Alliierten nur langsam vorrücken.
Im September kam es in der Palästinaschlacht zum endgültigen Zusammenbruch der osmanischen Armee.
Wichtiger war jedoch das auch Bulgarien kollabierte und somit der gesamte Balkan gefährdet wurde.
Auch Österreich-Ungarn löste sich auf, es zerfiel in viele Einzelstaaten die allesamt um Frieden baten.
Deutschland sah sich schließlich gezwungen den amerikanischen Präsidenten um Vermittlung bei Friedensverhandlungen zu bitten.
Dessen Friedensbemühungen wurden allerdings von Luddendorf und Hindenburg nicht annerkant, was zur Entlassung von Luddendorf führte.
Aufgrund mehrerer Befehle des Flottenkommandanten Reinhard Scheerer, die von den Matrosen als Todeskommandos verstanden wurden, kam es zum Kieler Matrosenaufstand und daraus resultierend zur Novemberrevolution. Am 9. November 1918 wurde die deutsche Republik ausgerufen. Am 11.9 unterzeichneten Deutschland und die Entente den Waffenstillstand von Compiègne.
Er bedeutete faktisch das Ende des Kriegs. Im ersten Weltkrieg fielen rund 10 Millionen Soldaten und 7 Millionen Zivilisten mussten ihr Leben lassen. Das Deutsche Reich musste, laut dem Vertrag von Versailles, alle linksrheinischen Gebiete und Ostpreußen abgeben. Desweiteren wurde der Friedensvertrag zwischen Deutschland und Russland annulliert und Deutschland musste alle besetzten Gebiete abgeben. Aus dem Osmanischen Reich wurde die Türkei die seitdem keine wesentlichen Gebietsveränderungen erfuhr.
Auf russischem Staatsgebiet entstanden Polen, Finnland, Litauen, Lettland und Estland als Unabhängige Länder. Russland wurde zur UdSSR.
Das vorher von der Türkei kontrollierte Palästina wurde zwischen den Siegermächten aufgeteilt und zu Mandatsgebieten umgeformt. Die Briten versprachen den Juden einen eigenen Staat in ihrem Mandatsgebiet und förderten ihre Einwanderung, was den Grundstein zum heutigen Nahostkonflikt legte. Bulgarien musste nur kleine Gebiete an Griechenland abtreten.
Alle Mittelmächte wurden zu umfassenden Reperationszahlungen gezwungen, die letzte Rate Deutschlands wurde 2010 beglichen.
Die Urkatastrophe des Zwanzigsten Jahrhunderts wird der Erste Weltkrieg deshalb genannt weil die hohen Auflagen, also hohe Reparationszahlungen, massive Beschränkungen in Militär und Industrie und Gebietsabtretungen von 11% des Staatsgebiets , zu einer extrem ungünstigen wirtschaftlichen Lage, massiver Arbeitslosigkeit und hoher Armutsrate führte, die verbunden mit der Unzufriedenheit, die durch die Zuweisung der alleinigen Kriegsschuld verursacht wurde, den Nationalsozialismus in Deutschland befeuerte.
Historiker sind sich einig das es ohne den ersten Weltkrieg den Zweiten Weltkrieg nie gegeben hätte.

Niklas Gläßgen