Der erste richtige Geburtstag 2?

Ich erwachte neben ihm, als die ersten Sonnenstrahlen über die kantigen Klippen lugten und den Strand, auf dem wir lagen, in goldenes Licht tauchten. Langsam wachte auch er auf und räkelte sich neben mir. Ich weckte ihn und wir machten uns schlaftrunken, aber auch ein wenig erfrischt auf, um gemeinsam zum Schloss zurückzukehren. Als wir ankamen, verdrückte ich mich nach einer Umarmung in die Küche, in der mir der Koch mehrere Ohrfeigen und zwei Säcke voller Kartoffeln gab, die ich schälen sollte. Während das Messer über die  Kartoffeln glitt, dachte ich darüber nach, was besser war. Ein Küchenjunge zu sein, der nie beachtet wurde, oder ein immer benötigter Diener, der sich aber ein bis zweimal im Jahr freinehmen konnte. Ich wusste es nicht. Das was ich wusste war, dass die Liebe zwischen den beiden Berufen eine relativ schwierige Angelegenheit war. Denn ein solcher Diener muss leider bei jeder noch so kleinen Reise seines Herren mitreisen. Ein Küchenjunge dagegen ist ja viel zu viel Last und muss deswegen im Schloss bleiben. Genau dieses Szenario hatte sich schon oft abgespielt und spielte sich auch heute wieder ab. Um ihn zu verabschieden, trafen wir uns, kurz bevor der König abreisen wollte, auf dem Heuschober über dem Stall. Es würde eine lange Reise werden, denn der König gedachte alle wichtigen Landsleute in seinem Reich aufzusuchen. Er umarmte mich einmal und wir verabschiedeten uns mit einem tiefen innigen Kuss. Als der Zug des Königs aus dem Burgtor ritt, saß ich auf dem Dach des Herrenhauses und schaute meinem Geliebten nach. Wehmütig folgte mein Blick seiner Gestalt, die sich immer weiter von mir entfernte. Eigentlich durfte ich nicht hier sein. Denn abgesehen davon, dass ich auf einem Dach saß, was ohnehin unanständig war, sollte ich eigentlich meinen täglichen Aufgaben in der Küche nachgehen. Doch ich konnte meinen Blick einfach nicht von ihm wenden. Ein Stück meines Herzens wollte ihm folgen und wurde beinahe aus meiner Brust gerissen. Wann würde ich ihn wieder sehen? Es erschienen mir jetzt schon wie Jahre, obwohl er erst beim Burgtor angekommen war.

Ich wurde jäh aus meinen Gedanken gerissen, als der Koch meinen Namen brüllte. Entsetzt sprang ich auf und verlor beinahe den Halt auf dem Dach. Schon begann ich hinunterzuschlittern. Mein Herzschlag setzte aus, als ich über den Rand des Daches fiel. Geistesgegenwärtig krallte ich meine Finger an den Rand des Daches. Vorsichtig wagte ich einen Blick nach unten. Schwindel packte mich. Es war viel zu hoch um zu springen. Aber ich war viel zu schwach um mich wieder hochzuziehen...

 

Lasse und Julia

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