Adventskerzen

Ja der Advent. Der hat sich dieses Jahr so schnelle Erscheinung verschafft, dass ich kaum dazu fähig war rechtzeitig und pünktlich zum ersten Advent einen Adventskranz zu beschaffen.

 

In panischer Realisierung des Ausbruchs des Dezembers, mit Schweißtropfen auf der Stirn, sage und schreibe siebzehn WhatsApp Nachrichten an meine Frau und wühlender Apokalypse im Keller, stehe ich endlich mit dreieinhalb räudig verranzten, viel zu langen und dünnen, weißen Kerzen und einer billigen, viereckigen Ikea-Schale da. Nicht wie sonst schön auf Tannenzweige und duftende Kekse drapiert, werden diese „Kerzen“ nun rasch und unwirsch in die komische, überaus ungeeignete Schüssel gestopft und nur knappe zwei Stunden zu spät angezündet. Durch die geringen Abstände der Kerzen zueinander, mit dem sie nun in einsamer Zweisamkeit mit dem alten Spielzeug des verstorbenen Hundes, das mittlerweile zu einem klebrigen grauen Klumpen mutiert ist, in einer staubigen Ecke stehen, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie zu einer einzigen Kerze zusammenschmelzen und sich ein Höllenfeuer entfacht, das selbst die letzten Balken des Hauses bis zum letzten Staubkorn vernichten wird. Die nächsten vierundzwanzig Tage werde ich genaueste Observation betreiben, um das Verhalten der Kerzen bei ihrem geringen Abstand zu beobachten und mit es mit wissenschaftlicher Genauigkeit für die Nachwelt dokumentieren, um schlimmere Brandschäden vorzubeugen.

 

Weihnachtsstress. Warum muss ich überhaupt all dieses Zeug jedes Jahr aufs Neue mitmachen, obwohl ich weder Zeit noch Lust dazu habe? Ich weiß es nicht, aber ich meine schon einmal den Begriff des Gruppenzwangs vernommen zu haben…

 

Jale 01.12.2020