Warum Gendern?

 

 

Warum Schüler:innen und Lehrer:innen, statt Schüler und Lehrer? Warum Freund:innen, statt Freunde? Warum Leser:innen, statt Leser?

 

Gendern ist keine Verschandelung der Sprache, es ist nicht „unnötig“ und nicht „unlesbar“.

Gendern ist eine Wahl. Die Wahl, nicht nur Männer zu nennen, sondern alle Geschlechter.

 

In den letzten Jahren wurde die Nutzung der männlichen Form als Überbegriff für alle Geschlechter immer wieder kritisiert. Immerhin arbeiten wir noch immer daran, die Fesseln des Patriarchats abzuschütteln.

 

Zuerst wurden die männliche und die weibliche Form immer hintereinander genannt: Schüler und Schülerinnen; Lehrer und Lehrerinnen; Leser und Leserinnen. So hat man versucht, auch Frauen in den alltäglichen Sprachgebrauch einzubinden.

 

War es die Lösung? Es war ein Schritt in die richtige Richtung.

 

Denn es gibt noch weite Geschlechter.

 

Was cis-Leuten (Leute, deren Geschlecht zu dem Körper passt, in dem sie geboren wurden) seltsam erscheinen mag, ist für andere Alltag: Sie haben mehrere Geschlechter, kein Geschlecht, ein sich wechselndes Geschlecht. Das ist möglich. Es ist kein Spleen, keine Einbildung, nichts, das vorbeigeht.

 

Ans Gendern gewöhnt man sich schnell. Die Hände brauchen nicht lange, um ein kurzes :innen zu tippen, der Kopf liest es einfach mit. Nur dem Schreibprogramm muss man noch beibringen, das nicht die ganze Zeit zu unterkringeln wie einen Rechtschreibfehler.

 

Sprache ist flüssig. Es gibt Lautverschiebungen, Rechtschreibreformen – wieso sollten wir nicht auch jeden in die Sprache einbeziehen? Sie ist ein Werkzeug, mit dem wir unsere Welt schmieden können. Menschen nutzen Sprache, aber sie haben ihre Sprache auch erschaffen. Wieso sollten wir sie nicht ändern, wenn sie unseren Bedürfnissen nicht mehr entspricht? Und es ist doch unser Bedürfnis, dass alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht gleichberechtigt sind? Sprache formt unser Denken, also müssen wir die Sprache ändern, um das allgemeine Denken zu beeinflussen.

 

Natürlich gibt es auch Worte, die nicht gegendert gehören. Zum Beispiel Kinder – Kinder:innen gibt es nicht, da Kinder automatisch alle Kinder bezeichnet. Oder Leute. Oder Mitglied.

 

Wieso gendern wir in der Schülerzeitung?

 

Weil unsere Lehrerin es vorgeschlagen hat. Wir diskutierten darüber, einigten uns auf die : Variante. Eigentlich wurde es langsam überfällig.

 

Hannah

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Feanor (Dienstag, 14 Juni 2022 07:37)

    Ich stimmt mit allem hier zu!