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Interview mit der Künstlerin Ann-Kathrin Krächan

H:Mit wie vielen Jahren begannen Sie künstlerisch aktiv zu werden?

 

Ann-Kathrin Krächan: Ich würde sagen, so richtig künstlerisch aktiv ist man ja als kreative Person schon von Anfang an. Also meine Mama erzählt immer gerne eine Geschichte, dass ich schon als Kleinkind immer die Sachen, die mir in die Finger gekommen sind zerschnitten habe, um daraus selber Collagen zu bauen und dann musste sie immer die Vorhänge umnähen lassen, und so ein Kram. Also ich glaube, dass kann man gar nicht so auf ein Alter festlegen. So richtig künstlerisch aktiv und erfolgreich, da wo man auch sagen könnte in einem kommerziellen Zusammenhang mit dem Studium. Also dann mit 19 Jahren.

 

H: Sie arbeiten mit chinesischem Lack. Was fasziniert sie an Lackarbeiten und woher kommt ihr Interesse an dieser Technik?

 

Ann-Kathrin Krächan: Also ganz am Anfang von meinem Studium im 2.Semester schon bin ich in einem Auslandssemester gereist, nach China. Damals hat es an der Universität Koblenz Landau mehrere Möglichkeiten gegeben ins Ausland zu gehen die meisten davon waren aber Frankreich, Italien oder USA und diese Länder haben ja alle einen eurozentrisches Kunstverständnis. Deswegen sind die von der Kunsterziehung sehr ähnlich zu dem, was wir hier lehren, und gelehrt bekommen und China ist halt maximal unterschiedlich. Zu dem, was ich in der Schulzeit gelernt habe, zu dem, was ich in meinem Studium gelernt habe und deswegen hat mich das unheimlich gereizt mal so eine ganz andere Art von Kunst, die ich bisher noch nicht kennengelernt habe, zu erfahren. In China selbst war es dann so, dass die Lackkunst dort eine recht unbekannte Art der Kunst ist. Die sind sehr auf Kalligrafie und Tuschzeichnungen aus und die Lackkunst ist eher vergleichbar bei uns mit der Druckgrafik. Schon eine etablierte Kunstrichtung, aber nicht so weit gefächert, wie bei uns z. b. die Malerei wäre und deswegen war das für mich super interessant da es kein asiatisches Verständnis von kunst benötigt, da konnte ich mich selber drin austoben nur das Material und die Technik waren eine ganz neue. und deswegen habe ich mich da ein bisschen drin vertieft. 

 

H: Ist es in irgendeiner Weise gefährlich mit Lack zu arbeiten? 

 

Ja, also der Lack, den ich jetzt benutze, dieser original chinesische Lack, nennt man oruschi und ist eigentlich kein Lack im europäischen sinne, sondern ein Baumharz vom oruschi Baum und der oruschi Baum ist verwandt, mit der polden ivy also Giftefeu , das heißt wenn der in Kontakt mit der Haut kommt bekommt man ganz schlimmen Ausschlag, nicht jeder, aber die meisten Menschen. Deswegen muss man im Umgang mit Lack ein bisschen vorsichtig sei, entweder Handschuhe tragen oder, wenn man an einer stelle den lack auf der Haut hat direkt mit Terpentin oder Speiseöl abwaschen, denn sonst kann es wirklich sehr reizend und sehr vergiftend sein.

 

H: Haben sie schon mit anderen Künstler:innen zusammengearbeiten, und wenn ja, mit welchen und warum?

 

Ann-Kathrin Krächan: Ich habe schon mit ganz vielen Künstlern zusammengearbeitet. Erstens, weil das Studium das in jedem Fall voraussieht, wenn man Kunst studiert ist man eigentlich immer im Kontakt und im Austauscht mit anderen Studenten und anderen Künstlern, um sich gegenseitig zu helfen, auch bei Ausstellungen der Planung, der Vorbereitung und der Durchführung aber auch einfach mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Im Berufsleben hat sich da eigentlich recht wenig geändert. Also ich arbeite sehr gerne mit anderen Künstler:innen zusammen, besonders bei Ausstellungen einfach um dem Betrachter so viele Kunstinterpretationen wie möglich zu bieten, die müssen dann immer gut ausgewählt sein, damit die ästhetischen Merkmale sich irgendwie unterstützen z.B. habe ich vor nicht allzulanger Zeit mit eurem Kunstlehrer Herr Weisbrot zusammen eine Ausstellung gehabt, im Herrenhof in Mußbach bei Neustadt aber natürlich auch mit internationalen Künstlern z.B. Bei Delta B in Mannheim oder aber auch beim Kultursommer letztes Jahr hier in Landau.

 

H: Was war ihre bisher erfolgreichste Ausstellung?

 

Ann-Kathrin Krächan: Die erfolgreichste im Bezug auf dass mehr Leute mich kennengelernt haben würde ich sagen ist Delta B in Landau gewesen. Zumal das einfach sehr überregional bekannt ist. Kommerziell die erfolgreichste, also wo ich am meisten verkauft habe kann ich jetzt gar nicht so richtig abschätzen. Weil natürlich Ausstellungen sehr unterschiedlich sind bei manchen verkauft man sehr viele kleine Arbeiten und bei anderen vielleicht weniger aber dafür große Arbeiten deswegen fällt mir das schwer einzuschätzen.

 

H: Wo kann man ihre Werke momentan sehen?

 

Ann-Kathrin Krächan: Momentan tatsächlich eher bei mir im Atelier, geplant ist für dieses Jahr ausnahmsweise mal keine Ausstellung. Wer was sehen will kann entweder digital auf meiner Homepage kucken oder auf meinem Insta Profil oder persönlich vorbeikommen und sich die Sachen live im Atellier anschauen. 

 

H: Gibt es ein Werk von ihnen selbst, dass sie besonders mögen, also haben sie ein eigenes Lieblingswerk und wenn ja, welches und warum?

 

Ann-Kathrin Krächan: Ich habe ein eigenes Lieblingswerk, das ist aber schon vor Jahren verkauft worden und zwar ist das meine allererste wirklich rein informelle Arbeit mit Kunst. 

 

H: Gibt es eine oder einen Künstler:in den oder die sie besonders schätzen und wenn ja welche:n und warum?

 

Ann-Kathrin Krächan: Ich liebe Karl Otto Götz. Wegen seinem grafischem Auftrag von Farbe, der ist so gestisch im Umgang mit seiner Rakeltechnik, das liebe ich sehr. 

 

H: Woher nehmen sie die Inspiration für ihre Werke?

 

Ann-Kathrin Krächan: Also ich arbeite ja informell, das heißt, ich male nicht gegenständlich. Sondern ganz bewusst ungegenständlich und abstrakt. Im informell sucht man nicht wirklich nach Inspiration, sondern man lässt den Malprozess auf sich zukommen. Das heißt ich gehe ins Atelier und suche mir ein Format raus und leg einfach los. Man versucht dann den Kopf so frei wie möglich zu bekommen und einfach nur die Farbe machen zu lassen, was sie tut und darauf dann ästetisch und künstlerisch zu begegnen. 

 

H: Sie sind ja Kunstlehrerin, macht ihnen das Kunstlehrerdasein genau so viel Spaß, wie das Künstlerdasein?

 

Ann-Kathrin Krächan: ja. Ich bin sehr gerne freier Künstler und ich bin auch sehr gerne Lehrer. Das sind zwei sehr unterschiedliche Berufe aber sie ergänzen sich sehr gut miteinander. Ich kann den Ergeiz und die Liebe für die Kunst die ich in meinem eigenen künstlerischen schaffen mir erarbeitet habe auch sehr gut an die Schüler weitergeben und dann eine neue Künstlergeneration heranziehen. Das macht mir sehr viel Freude.

 

H: Was denken sie, inwiefern wirkt sich ihr Künstlerdarsein auf ihren Kunstunterricht aus?

 

Ann-Kathrin Krächan: Ich glaube einfach mit gutem Beispiel vorangehen dann sehen die Schüler auch dass der Lehrer tatsächlich auch Ahnung davon hat, was er sagt und gleichzeitig aber auch dadurch dass ich selber künstlerisch arbeite kann ich Schwierigkeiten, die die Schüler währen des praktischen Arbeitens haben viel besser antizipieren, also ich kann mich viel besser darin reinversetzten, wenn ein Schüler gerade Probleme mit seinem Bild hat oder keinen richtigen Zugang zum Thema findet einfach weil es mir selber in meinem Leben auch oft schon so ging und dann ist es viel einfacher von Künstler zu Künstler zu sprechen, als von Lehrer zu Künstler. 

 

H: Würden sie ihre Schüler:innen auch dazu ermutigen Künstler:in zu werden?

 

Ann-Kathrin Krächan: Auf jeden Fall. Also ich führe auch in all meinen Klassen selbst schon in der Orientierungsstufe ein Skizzenbuch mit den Schülern das heißt ich ermuntere und verlange auch in der Oberstufe dass sie regelmäßig abseits des Unterrichts dieses Skizzenbuch füllen. weil ich einfach der Meinung bin dass Kunst uns im Alltag ganz viele Möglichkeiten eröffnet die uns durch andere Freizeitaktivitäten vielleicht nicht so gegeben sind.

 

H: Gibt es irgendeine Botschaft in ihren Werken, möchten sie den Menschen mit ihrer Kunst irgendetwas sagen?

 

Ann-Kathrin Krächan: Ich sehe in jedem meiner Werke eine Botschaft. Aber dadurch dass die Bilder informell sind möchte ich eigentlich nicht meine Art Bildinterpretation an den Betrachter weitergeben, weil ich möchte, dass sich der Betrachter ganz individuell mit dem was er sieht auseinandersetzt denn das informell soll ja Gefühle, Emotionen, Erlebtes, in einem wecken und das ist natürlich ein super individueller Prozess der nicht durch ein Künstlerstatement irgendwie beschränkt werden soll.

 

H: Sie tauschen ihre Kunstwerke mit anderen Künstlern, was hat es damit auf sich, also was ist der Sinn davon?

 

Ann-Kathrin Krächan: Ja, wenn man mehrere Jahre schon praktisch arbeitet hat man irgendwann ein Atelier voller Schätze und diese Schätze stapeln sich im Moment bei mir im Atelier so sehr, dass ich das Gefühl habe, schade, wenn sie dort einfach nur einstauben und sie werden nicht gesehen. Denn man hat einfach immer Werke, die nicht so richtig in die Reihen passen oder die nicht zur Serie gehören die zu klein sind oder zu groß für Ausstellungen und diese Werke werden dann nicht gezeigt und nicht gesehen und das finde ich so schade, dass ich gesagt habe ich würde ganz gerne auch die Bilder irgendwie an den mann bringen und da ist mir der Gedanke gekommen mit dem Kunsttausch einfach um anderen erstens eine Freude zu machen mit einem Bild, was sie sich vielleicht nicht leisten könnten oder vielleicht auch einfach weniger Hemmungen hervorrufen es zu kaufen oder was geschenkt zu bekommen und zweitens erleichtert es mir, das die Sachen aus dem Atelier raus sind und gleichzeitig bekomme ich ja auch immer was von meinen Künstlerkollegen oder meinen kreativen Mitmenschen was dann entweder mir sehr gut gefällt oder bei mir neue Ideen weckt neue Techniken kennenlerne und so weiter und sofort also durchaus ein sehr sinnvolles Konstrukt.

 

Hedy

Hier ein paar Fotos von ihr und ihren Werken:


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