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Unser Schmerz ist unsere Kraft - Neonazis haben unsere Väter ermordet

Lesezeit: 4 Minuten;


Vielleicht kennen einige von euch diesen Titel. Er stammt nämlich von dem neuen Buch “Unser Schmerz ist unsere Kraft - Neonazis haben unsere Väter ermordet” von Gamze Kubasik und Semiya Simsek mit Christine Werner, das am 27.8.2025 im Verlag Fischer-Sauerländer erschien.

Bereits letztes Schuljahr traf sich unsere Redaktion mit Christine Werner, die uns Textausschnitte aus dem Buch - damals noch ein Manuskript - vorlas, nach Feedback fragte und uns über die Hintergründe der Geschichte informierte. 

In dem Buch erzählen die Autorinnen Semiya Simsek und Gamze Kubasik ihre Geschichte: Ihre Väter wurden von dem NSU ermordet - und nicht nur sie: 10 Menschen, Männer mit ausländischer Abstammung und eine Polizistin, fielen zwischen 2000 und 2007 einer Reihe von Morden der neonationalsozialistischen Organisation “Nationalsozialistischer Untergrund” zum Opfer. Das Buch behandelt vor allem die psychischen Auswirkungen, die diese Morde auf die damals 14-jährige Semiya und die 20-jährige Gamze hatten und die Ungerechtigkeit, die die beiden und ihre Familien bei den Ermittlungen erfahren mussten.

Persönlich hat mich das Buch sehr bewegt und mir auf schockierende Weise vor Augen geführt, wie präsent Rassismus und rechtsextreme Gewalt noch immer sind. Besonders entsetzt hat mich, dass die Justiz und die Öffentlichkeit bei der Mordserie ebenfalls mit Vorurteilen behaftet war und die Ermordeten — trotz dessen, dass es keine Beweise in diese Richtung gab — zunächst des Drogenhandels und Verbindungen zur Mafia verdächtigten. 

Auch den Ausgang der Prozesse und die damit verbundenen Fehler, die der Verfassungsschutz aber auch der Staat im allgemeinen zu verantworten hat, haben mich geschockt. 

 

Es gibt immer eine Lücke in unserem Wissen über die Vergangenheit — die Jahre, kurz bevor wir geboren sind und in denen wir noch jünger waren, die weder vom Geschichtsunterricht noch unseren eigenen Erfahrungen gedeckt werden. Trotzdem behandeln wir Ereignisse dieser Zeit, die besonders wichtig waren, in der Schule — zum Beispiel 9/11. Das ich in meiner ganzen Schulzeit und auch privat vorher noch nie etwas von den NSU-Morden gehört habe, hat mich ebenfalls entsetzt - obwohl ich zumindest von anderen gehört habe, dass das Thema bei ihnen im Unterricht behandelt wurde, was ich wirklich gut finde. 

Gerade auch deshalb finde ich es so wichtig, dass sich das Buch auch vor allem an Jugendliche richtet und extra ein Glossar zur Verfügung stellt, in dem unbekannte Begriffe erklärt werden, sowie einen Zeitstrahl. Durch Fotos und die Darstellung von Textnachrichten, verbunden mit den kurzen Kapiteln, wird die Geschichte auch jüngeren Leser:innen, die vielleicht Schwierigkeiten mit längeren Texten haben, einfach zugänglich gemacht.

Ich empfehle das Buch wirklich dringend weiter, da mich Semiyas und Gamzes Geschichte sehr bewegt hat und sie ein wichtiges Zeichen gegen Diskriminierung jeder Art setzt, was in der heutigen Zeit extrem wichtig ist. 

Das Buch wird demnächst von unserer Redaktion an die Mediathek übergeben werden, um euch allen die Möglichkeit zu verschaffen, euch selbst mit dem Thema auseinanderzusetzen und vielleicht auch in euren Klassen darüber zu sprechen. 

Zum Schluss vielen Dank an Christine Werner für das Gespräch, und an sie, Semiya und Gamze für die Danksagung, die sie uns in ihrem Buch ausgesprochen haben! 

 

Julia

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Smiley (Mittwoch, 17 Dezember 2025 16:49)

    Ich habe das Buch auch gelesen und kann es dicke weiterempfehlen! Durch die Perspektiven von Semiya und Gamze kann man sich das Ganze viel besser vorstellen und ihre Geschichte ist echt bewegend und gleichzeitig schockierend. Auch das Design mit Chats und Bildern, sowie die etlichen Erklärungen sind sehr passend und hilfreich fürs Verständnis.
    Es ist ein interessantes und spannendes Buch, das berührt und aufklärt und das unbedingt gelesen werden sollte!