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„Die Shoah überschreitet jede Grenze des Vorstellbaren. Sie entzieht sich allen Darstellungsversuchen."
(hpts. C. Kreuzmüller und K. Stubenvoll, „Gurs 1940 - Die Deportation und Ermordung von südwestdeutschen Jüdinnen und Juden")
9. November 2025, im Ratssaal Albersweiler wird die Wanderausstellung „Gurs 1940 - Die Deportation und Ermordung von südwestdeutschen Jüdinnen und Juden" eröffnet. Teil der Eröffnung waren mehrere Redebeiträge, unter anderem von Bürgermeister Andreas Gerdon (Albersweiler) und einem Vortrag über die Geschichte der pfälzischen und badischen Juden und Jüdinnen und deren Deportation ins französische Lager Gurs und darüber hinaus.
Musikalisch begleitet wurde die sehr gut besuchte
Gedenkveranstaltung von Rebecca Rust (Cello) und Friedrich Edelmann (Fagott), die Musik von jüdischen Komponisten präsentierten.
„Männer und Frauen sind getrennt. Alle paar Tage dürfen wir uns eine Viertelstunde sehen"
(Aus einer Abschrift eines Briefes der Mutter von Herbert Lehmann, 28.10.1940)
Gurs war ein sogenanntes Internierungslager und diente dem Freiheitsentzug, darunter vor allem spanische Flüchtlinge und südwestdeutsche Bürger:innen jüdischen Glaubens. Innerhalb von sechs Wochen erbaut, besaß das Lager einen sehr niedrigen Lebensstandard, wobei zu Höchstzeiten ca. 20.000 Menschen im Lager eingesperrt waren.
Das Lager war vollkommen überfüllt, wodurch Lebensmittel ständig knappes Gut waren.
Vom Lageralltag berichten Zeichnungen von Eva Liebhold (Ermordet 1942 in Auschwitz-Birkenau).
Viele der Internierten im Lager Gurs glaubten an eine baldige Zukunft in Freiheit, weil die Situation in Gurs im Vergleich zu den von den Nazis selbst betriebenen Konzentrationslagern noch gut* war, trotz der Stacheldrahtzäune und des wenigen Essens.
Besonders Kinder litten in Gurs, da sie von ihren Familien getrennt worden waren und nicht ausreichend versorgt wurden.
Manche Kinder konnten mit Hilfe von Hilfsorganisationen aus Gurs gerettet werden. Der Großteil der Gefangenen, ob Kind oder erwachsen, wurden meist über das Lager Drancy schließlich in Vernichtungslagern umgebracht. Hauptverantwortlicher dafür war Alois Brunner, ein enger Mitarbeiter von Adolf Eichmann.
Insgesamt wurden 1942 75.000 jüdische Menschen aus Frankreich deportiert. Viele davon aus Gurs.
Von den 75.000 jüdischen Menschen überlebten nur ca. 2.500.
Die „guten" Lebensbedingungen im Lager Gurs sind wohl auf deren Betreiber zurückzuführen. Bis zur Übernahme der Deutschen unterstand das Lager Gurs dem Innenministerium des Vichy-Regimes und nicht direkt den Nationalsozialisten.
„Wir werden abgeholt"
(Kurt Salomon Maier, 1940 aus Kippenheim deportiert)
Im Oktober 1940 begannen ohne Vorwarnungen großflächige Verhaftungen in der Pfalz und in Baden. Die jüdische Bevölkerung hatte teilweise nur 15 Minuten Zeit, um alles zu packen, wobei sie strikte Begrenzungen erhielt, was sie mitnehmen durfte. Die Wohnungsschlüssel mussten ausgehändigt werden. Mit alten französischen Personenwagen per Zug wurden die jetzt Häftlinge die 1.500 Kilometer lange Strecke nach Gurs gebracht.
Hauptverantwortlich für diese Massendeportationen waren zwei Personen. Der saarpfälzische Gauleiter Josef Bürckel und der badische Gauleiter Robert Wagner.
Unter den Deportierten waren auch Menschen aus Annweiler, Albersweiler und Umgebung.
Die Deportationen 1940 aus Baden und der Pfalz waren die Vorläufer der ein Jahr späteren größeren Deportationen aus ganz Deutschland.

„Im schweigsamen Nebeneinander mit dem nichtjüdischen Umfeld versuchte die jüdische Gemeinschaft aus dem Überleben ein Leben zu formen. – Ein Leben, das sechs Millionen Töchtern, Söhnen, Brüdern, Schwestern, Müttern, Vätern, Großeltern genommen wurde. Ein Leben in Trauer. In Schmerz. In Wut. Ein Leben in Deutschland. Aber: Heimat ist Heimat. […] Ich muss Ihnen nicht die Chronologie antisemitischer Vorfälle in unserem Land darlegen. Sie erfolgen offen, ungeniert – beinahe täglich. Verschwörungsmythen erfahren immer mehr Zuspruch. Judenfeindliches Denken und Reden bringt wieder Stimmen. Ist wieder salonfähig – von der Schule bis zur Corona-Demo. Und natürlich: im Internet – dem Durchlauferhitzer für Hass und Hetze aller Art."
(Charlotte Knobloch (Holocaust Überlebende), Rede zur Gedenkstunde des Deutschen Bundestages für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2021)
Die Austellung „Gurs 1940 - Die Deportation und Ermordung von südwestdeutschen Jüdinnen und Juden" ist noch bis zum 23.11.2025 mittwochs (15:00-18:00 Uhr) und samstags/sonntags (14:00-16:00 Uhr) im Albersweilerer Ratssaal (Hauptst. 68) zu besichtigen. Auch Gruppen können Termine vereinbaren. Weitere Informationen über den Inhalt der Ausstellung finden Sie hier!
Lasse
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