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In der 10. und 11. Klasse gibt es an unserer Schule das Angebot, bei dem alljährlichen Schüleraustausch mit unserer polnischen Partnerschule in Cieszyn teilzunehmen. Dabei wohnt man für eine Woche bei einer Gastfamilie, geht mit der:dem Austauschpartner:in zur Schule und partizipiert an dem von den Lehrer:innen organisierten Programm.
Der Austausch im diesjährigen Jahr fand vom 13. bis 20. April 2026 in Polen statt und wird vom 4. bis 11. September 2026 in Deutschland fortgesetzt.
Montag:
Um kurz vor 6 Uhr versammelten sich rund 30 Schüler:innen an der Busschleife des ETGAs, um mit Frau Hailer-Schmidt, Frau Münzenmaier und ehemaligem Kollegen Herr Ruoff nach Polen zu fahren. Die ersten Stunden im Bus verliefen recht ruhig, sicherlich der Uhrzeit wegen, und die meisten Schüler:innen schliefen oder hörten Musik. Mittags machten wir eine längere Pause an einem McDonalds in Tschechien. Die restliche Fahrt verlief ohne weitere Unterbrechungen und wir erreichten die polnische Schule, wo uns schon die Gastfamilien erwarteten. Nach der fast elfstündigen Fahrt waren die meisten froh, bei den Familien zuhause erst mal in Ruhe auszupacken und schlafen zu gehen - natürlich nicht ohne sich vorher noch das Essen der Gasteltern schmecken zu lassen.
Zitat des Tages:
,,Hier ist es ja viel kälter als in Deutschland!" -anonym, an einer deutschen(!) Raststätte
Dienstag:
Morgens ging es für die meisten Schüler:innen schon früh los, zwischen 8 Uhr und 9:35 Uhr stand Unterricht nach dem Stundenplan der Gastgeber:innen auf dem Plan. Obwohl dieser für uns deutsche Schüler:innen freiwillig ist, fanden sich doch einige, die sich den polnischen Unterricht nicht entgehen lassen wollten.
Um 9:40 Uhr erfolgte die offizielle Begrüßung der Schulleitung in der Aula der Schule, bei der wir willkommen geheißen wurden und uns untereinander über die erste Nacht austauschen konnten.
Anschließend wurden wir von einer Lehrerin durch Cieszyn geführt und besichtigten verschiedene Türme, unter anderem den Turm Piast, Brücken, eine Kirche und die polnisch-tschechische Grenze, die sich dank einer Linie auf dem Boden perfekt für mehr oder weniger kreative Fotos eignete. Diese Besichtigung war für alle am Austausch teilnehmenden Schüler:innen Pflicht, allerdings wurde die Gruppe geteilt und es gab eine Führung auf Deutsch und eine auf Polnisch.
Gegen 13 Uhr versammelten sich alle im Rathaus für die Begrüßung der Bürgermeisterin. Neben der Geschichte der Stadt und ein paar Informationen über Polen allgemein gab sie noch ein paar Anekdoten zum Besten. Nach ein paar Gruppenfotos ergriff der polnische Geschichtslehrer das Wort und erzählte von den unter Naturschutz stehenden Eichen und einem teuren Tisch, der geklaut wurde.
Die polnischen Teilnehmer:innen hatten danach wieder Unterricht bis 15 Uhr, weshalb die meisten Deutschen die Zeit nutzten, um weiter die Stadt zu erkunden oder sich in eins der schönen Cafés zu setzen. Vor allem das im Stil einer alten Bibliothek aufgemachtes Café Kornel hat uns besonders gut gefallen.
Nachmittags und abends verbrachten wir Zeit mit der Gastfamilie oder zusammen mit anderen Teilnehmer:innen.
Zitat des Tages:
,,Das Ziel ist der Weg" - Colin
Mittwoch:
Der Tag startete mit einer circa anderthalb stündigen Busfahrt nach Krakau. Dank einer Musikbox und polnischen Volksliedern, die laut den polnischen Schüler:innen ,,betrunken viel besser klingen" verging die Zeit aber recht schnell.
Nicht nur die Stimmung war mega, sondern auch die anfängliche Sprachbarriere war gefallen. Ab diesem Zeitpunkt hatte man sich entweder mit dem Englisch zurecht gefunden, was dank den guten Sprachkenntnissen der polnischen Teilnehmer:innen meist kein großes Problem darstellte, oder eine Übersetzer-App heruntergeladen.
In Krakau angekommen besichtigten wir in sprachlich getrennten Gruppen den ehemaligen jüdischen Stadtteil Kazimierz und die wunderschöne Altstadt, in der wir uns in kleinen Gruppen frei bewegen durften.
So kam es, dass wir nicht nur polnische Pirogi, eine Art Dumplings, aßen und Souveniers kauften, sondern auch Tauben fütterten, eine interessante Konversation mit einer Person hatten, die Geld von uns haben wollte, für was, wissen wir nicht genau, da wir uns als Franzosen augegeben hatten, in der Hoffnung, durch den Fakt keinen Englisch zu sprechen, verschont zu werden. Plotttwist: Die Person sprach als einzige von uns allen Französisch.
Gegen 15 Uhr trafen wir uns für einen Besuch im Schindler Museum, nachdem wir eine prunkvolle Kirche angeschaut haben.
Das Museum war definitiv eindrucksvoll und die Führung des Tages sehr gut gemacht.
Danach fuhren wir wieder mit dem Bus zurück und genossen wieder die Gastfreundschaft der Familien, bevor wir todmüde ins Bett fielen.
Zitat des Tages:
,,Sorry, Sister!" - Colin zu einer Nonne, in die er hineingerannt ist
Donnerstag:
Gegen 8:20 Uhr fuhren wir mit dem Bus nach Górki Wielkie, da wir im Bildungs- und Kulturzentrum ,,U Kossaków" einen Kunstworkshop machten. Dabei wurden wir in drei deutsch-polnisch gemischte Gruppen eingeteilt, um nacheinander an drei Workshops teilzunehmen. Unsere Gruppe bekam zuerst eine Präsentation über die Geschichte der ehemaligen Besitzerin Sofi Kossak, die während des zweiten Weltkriegs spielte.
Anschließend betraten wir einen Raum, dessen Boden nahezu komplett mit Malervlies ausgelegt war und sollten uns setzen. Ein Mann begann durch eine überdimensionale Musikbox die vierte Synphonie von Vivaldi zu spielen und ermutigte uns, mit den ausgeteilten Farben und Blättern unsere Gefühle zu der Musik zu malen.
Obwohl sowohl die Lautstärke der Musik und die fehlende Kreativität und Feinmotorik einige Schüler:innen zunächst abschreckte, beteiligte sich ausnahmslos jede:r an der Aktivität. Am Ende teilte sich die Gruppe in zwei Lager, die, die mühelos eine Karriere als Künstler:in anfangen könnten und die, die ihre ,,abstrakten Werke" bei der Heimfahrt ,,aus Versehen" im Raum vergessen hatten. Auf jeden Fall war die Stimmung locker und entspannt, als wir zum letzten Workshop gingen.
Dort durften wir Travel-Journals basteln bzw. das Cover mit allerlei Sachen bekleben. Mit ausgedruckten Landkarten und Kompassen, Stickern, bunten Klebebändern und spezieller Farbe, die dem Papier einen altertümlichen Ausdruck verlieh, hatten wir jede Menge Möglichkeiten, die Collagen zu gestalten. Am Ende half uns eine Frau, Seiten in das Cover zu binden, sodass alle den Raum mit einem kleinen Büchlein verließen.
Gegen 13 Uhr kamen wir wieder an der Schule an und versammelten uns in der Aula für die Verabschiedung durch die Schulleitung, welche sehr herzlich verlief.
Anschließend hatten wir wieder Unterricht nach dem Stundenplan der Gastgeber, aber die meisten polnischen Schüler:innen hatten an diesem Tag frei (oder noch genug Fehlstunden übrig), sodass wir den restlichen Mittag in der Stadt verbrachten.
Zitat des Tages:
,,Ich erinnere mich grau" -anonym
Freitag:
Morgens hatten unsere Austauschpartner:innen Unterricht, dank der fehlenden Anwesenheitspflicht für uns konnten wir uns in ein Café setzen, bis wir um 8:50 Uhr an der Schule sein mussten.
Einige der polnischen Lehrkräfte hatten sich die Mühe gegeben, uns eine Unterrichtsstunde auf Englisch vorzubereiten, weshalb wir sowohl Französischunterricht, als auch die erste Polnisch- und Russischstunde hatten, an deren Ende wir uns halbwegs auf der jeweiligen Sprache vorstellen und einige Zungenbrecher aufsagen konnten. Besonders amüsant war es, die polnischen Schüler:innen deutsche Begriffe wie ,,Eichhörnchen", ,,Streichholzschächtelchen" oder ,,Fischer's Fritz" aufsagen zu lassen.
Anschließend hatten wir noch eine Geschichtsstunde, bei der wir über die polnische Historie lernten.
Zum Mittagessen waren alle gemeinsam im Gasthaus ,,Winowajcy".
Anschließend fuhren wir mit dem Bus circa zwei Stunden lang nach Auschwitz-Birkenau. Dort wurden wir dreieinhalb Stunden durch das Konzentrationslager geführt. Viele der Baracken waren noch im Originalzustand oder als Museum ausgebaut. Besonders die Räume, in denen alte Eigentümer von Inhaftierten ausgestellt waren und die Gaskammern werden uns lange im Gedächnis bleiben.
Nach einer zehnminütigen Busfahrt nach Birkenau wurden wir auch dort herumgeführt. Durch die gut erhaltenen Bahngleise, die Stacheldrahtzäune und die staubigen Wege meinte man, verstehen zu können, wie es früher dort gewesen war, auch wenn dies natürlich nur ein Bruchteil des Leidens der Menschen hier widerspiegelt.
Die Heimfahrt verlief relativ ruhig und leider wurde der versprochene McDonalds-Stop abgesagt. Ich denke, dass der Besuch im KZ und im Schindler-Museum am Mittwoch uns auf lange Sicht geprägt und bewusst gemacht hat, dass so etwas nie wieder passieren darf.
Zitat des Tages:
,,Wenn es regnet, wird's nass!" -anonym
Samstag und Sonntag:
Am Wochenende gab es kein von der Schule geplantes Programm, weshalb sich meist kleine Gruppen zusammenschlossen, um wandern, Bowling spielen, grillen, feiern oder ein Schloss besichtigen zu gehen.
Zitat des Tages:
,,Zabka Frogsupermarket!" -Colin
Montag:
Auch diesen Montag mussten wir wieder früh raus, Treffpunkt an der Schule war um 7 Uhr. Nachdem die bestenfalls am Vorabend gepackten Koffer verladen waren, begann der teilweise tränenreiche Abschied.
Die Heimfahrt verlief ohne weitere Zwischenfälle, wenn man die Mittagspause am KFC statt McDonalds (aufgrund fehlender vegetarischer Alternativen schwierig für einige Schüler:innen) außer Acht lässt. Wir kamen gegen 20 Uhr am ETGA an, wo uns die Eltern schon erwarteten.
Zitat des Tages:
,,Be tall, stand proud!" -Colin
Fazit:
Die Zeit in Polen hat uns untereinander eng zusammenwachsen lassen und wir haben jede Menge toller Erfahrunngen gemacht. Nicht nur hat sich unsere Selbstständigkeit und Organisation verbessert, sondern auch unser Englisch hat sich toll entwickelt. Wir alle finden, dass vor allem der KZ-Besuch sehr wichtig ist, damit wir, gerade in den heutigen Zeiten, nicht vergessen, was damals geschehen ist.
Was uns auch alle positiv überrascht hat, ist definitiv die Gastfreundschaft der polnischen Familien, die uns immer mit reichlich Essen und anderen Dingen versorgt haben. Auch mit unseren Austauschpartner:innen haben wir viel Spaß gehabt und teilweise sind enge Freundschaften entstanden.
Wenn ihr die Möglichkeit habt, an dem Polenaustausch teilzunehmen, würden wir euch auf jeden Fall empfehlen, die Chance wahrzunehmen!
Frida
Bilder: Colins geile Kamera, Frida, Frau vom Workshop
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