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Was ist KI und was nicht? Das ist eine der häufigsten Fragen, die sich Lehrer:innen bei schriftlichen Schulaufgaben fragen müssen.
Als Antwort darauf die Frage der Schüler:innen: Was wird als KI erkannt, und was nicht?
Um KI auf die Spur zu kommen, gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Erstens, die KI-Erkennungs KIs. Diese sind auf KI-typische Muster programmiert, wie eine konstante Informationsdichte oder typischen Satzbau.
Um zu veranschaulichen, wie effektiv diese Methoden sein können, habe ich folgende Tabelle erstellt:
Die ersten beiden Texte stammen aus der klassischen Literatur, die eindeutig ohne KI geschrieben worden sind, und die ich ohne Copyright Verletzung benutzen konnte. Die letzten zwei Texte habe ich mir von ChatGPT schreiben lassen - sie sind unverarbeitet.
Jeden dieser Texte habe ich in zehn verschiedene KI-Erkennungsprogramme eingegeben, die mir beim Recherchieren als erstes angeboten wurden.
Bereits auf den ersten Blick sieht man die Dissonanz zwischen den verschiedenen Programmen. (Um diese zu veranschaulichen, sind bei den ersten zwei Texten alle komplett richtigen Antworten grün markiert, alle die über 60% KI erkennen haben rot, und alles dazwischen gelb. Bei den letzteren zwei Texten habe ich alles ab 70% KI als richtig markiert, alles unter 50% als falsch.)
Der KI-Detektor von JustDone, dessen Webseite mit „Studierende von über 3.000 führenden Universitäten und Institutionen setzen auf uns” wirbt, sieht bei Goethe mehr KI Einfluss als bei ChatGPT.
xdetector.ai, hingegen, sieht nirgendwo KI.
Beachten muss man ebenfalls, dass einzelne Programme nur eine bestimmte Anzahl an Versuchen erlauben, bevor sie Geld verlangen. Einige haben auch ein Wort-Limit, das ich mit einem, schnell von ChatGPT generierten, Text nicht erreichen konnte.
Dank dieser Lücken ist die Tabelle nicht komplett vollständig oder wissenschaftlich. Da ich nur kostenlose und öffentlich zugängliche Programme ausprobiert habe, kann ich nicht die Effizienz von anderen, professionellen KI-Erkennungsprogrammen bewerten.
Dennoch reicht die Tabelle aus, um mein Argument zu demonstrieren - Nicht nur, dass man KI nicht immer entdeckt, sondern auch, dass wir KI in Texten sehen, die nie von einer KI berührt wurden. Falls ihr im Alltag ein KI-Erkennungsprogramm benutzt, würde ich empfehlen, mindestens einen eurer selbst geschriebenen Texte damit zu überprüfen. Anhand vom Ergebnis könnt ihr selber einschätzen, wie effektiv das Programm ist.
Als Schüler kann ich nicht wissen, wie Lehrer:innen unsere Texte auf KI überprüfen. Ich nehme nicht an, das sie unsere Schulaufgaben alle in KI-Erkennungs-KIs eintippen.
Von manchen Lehrer:innen hört man, dass “zu gut” geschriebe Texte - guter Satzbau, gutes Verständnis - ein Hinweis auf KI ist. Seitdem bin ich für meine ständigen Grammatikfehler dankbar.
Andererseits soll auch fehlendes Verständnis ein Zeichen der KI-Nutzung sein, da man das Thema nicht wirklich verstehen kann, wenn man mit KI lernt oder den Prompt falsch eingegeben hat oder eine KI wie ChatGPT einen knappen Text schreiben würde, während ein Mensch alles ausführen könnte.
Manche Lehrer:innen benennen bestimmte Bindewörter oder Satzanfänge als Formulierungen, die kein echter Menschen benutzen würde. Andere teilen Arbeitsblätter mit Formulierungshilfen aus, die wir benutzen sollen.
Die Doppelstandards - bist du zu gut, hast du KI benutzt, bist du zu schlecht, hast du KI benutzt - wiegen schwer auf Schüler:innen, die versuchen, ihre Hausaufgaben oder Arbeiten zu
erledigen.
Die ständige Suche nach KI-Erkennungsmerkmalen fühlt sich langsam an, wie eine Hexenjagd, bei der wir alle Angst haben, etwas zu finden, es aber doch ständig erwarten. Das gilt natürlich nicht
nur für Lehrer:innen und Hausaufgaben, sondern für alle, in allen möglichen Situationen. Eine gewisse Paranoia kann angebracht sein - zu viel schadet.
Ich will deutlich sagen, dass ich nicht behaupte, keine Schüler:innen würden KI benutzen oder dass jede Anklage gegen KI unberechtigt ist. Auch will ich gar nicht darauf eingehen, ob und wann KI benutzt werden sollte. Das einzige, was ich sagen will, ist, dass unsere KI-Erkennung, ob mit einem Programm oder mit den eigenen Kriterien, fehlerhaft ist. Dass KI unerkannt bleibt, ist ein Problem, doch dass von Menschen geschriebenen Texten KI-Einfluss vorgeworfen wird, ist ebenfalls ein Problem, das ich bis jetzt nicht viel beachtet gesehen habe.
Nur noch eins will ich sagen. Die meisten der KI-Erkennungs-Webseiten bieten ebenfalls an, einen Text zu “vermenschlichen”. Ich finde das außerordentlich schade. Ich schreibe, wie ich schreibe, und ich freue mich nicht auf eine Zukunft, in der alle, Schüler:innen oder Student:innen oder Bestsellerautor:innen, ihren Schreibstil in die Lücke zwischen “ausreichend” und “so gut kann nur ChatGPT schreiben” zwingen müssen.
Dorian
Die Datei mit der Tabelle, sowie den Texten von ChatGPT, die ich verwendet habe, findet ihr hier:
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