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Vergangenen Sonntag fand in Rheinland-Pfalz die Landtagswahl statt. Gewinner: Gordon Schnieder von der christlich demokratischen Union (CDU). Was bedeutet das für Rheinland-Pfalz, einem Bundesland, indem seit 35 Jahren die sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) an der Macht war?
In Rheinland-Pfalz durfte man ab 18 wählen. In Baden-Württemberg und auch bei der Europawahl war das Wählen schon ab 16 möglich. Auch in diesen Artikel: Was wollen Jugendliche?
Das Ergebnis im Überblick
Rheinland-Pfalz hat gewählt und das wie folgt:
Die CDU ist mit etwas Abstand stärkste Kraft. Alle Beteiligten der vorherigen rheinland-pfälzischen Regierung verlieren, wobei die Grünen ihr Ergebnis von 2021 einigermaßen halten können.
Sowohl die FDP (freie demokratische Partei) als auch die Freien Wähler fliegen aus dem Landtag. Die Linke fährt zwar ihr bestes Ergebnis in Rheinland-Pfalz ein, schafft es aber trotzdem nicht über die 5%-Hürde. Der große Gewinner: Die AfD.
Im Vorhinein hatten Umfragen prognostiziert, das es sowohl ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und CDU geben könnte, als auch, das Freie Wähler und die Linkspartei eine gute Chance hatten in den Landtag einzuziehen. Das hat sich nicht bewarheitet.
Wahlentscheidend sind laut vom SWR beauftragten Umfragen die Themen Wirtschaft und Soziale Sicherheit. Auch die durch die AfD bestzte Themen Innere Sicherheit und Zuwanderung haben eine erhebliche Rolle gespielt.
Das Thema Klima hingegen, welches gerade für die Weinwirtschaft in der Südwestpfalz eine große Rolle spielt, verlor drastisch an Wichtigkeit.
In der Zweitstimme gewinnt die CDU den Großteil der Wahlkreise. Die SPD verliert auch hier. Die AfD kann lediglich einen Wahlkreis für sich entscheiden.
Auch bei den Wahlkreisstimmen, also die „Erststimmen", ergibt sich ein ähnliches Ergebnis. Hier erhält die AfD aber kein Direktmandat.
In den Grafiken sind die Ergebnisse der einzelnen Parteien nach Wahlkreisen zu sehen. Während rechte Parteien eher in ländlichen und strukturschwachen Regionen gewählt werden, werden linkere Parteien eher in strukturstarken und städtischen Regionen gewählt.
Rechtere Parteien schaffen es also vermutlich eher, die Existenzängste von Menschen aufzufangen, welche in Regionen leben, die ökonomisch absteigen.
Im Vergleich zur Landtagswahl 2021 verlieren die links-progressiven Kräfte, während die rechts-konservativen Kräfte gewinnen. Der Rechtsruck ist also auch in Rheinland-Pfalz zu spüren.
Was das für die SPD bedeutet
Seit 35 Jahren regiert die SPD an der Spitze in Rheinland-Pfalz. Oft schaffte sie ungewöhnliche Aufholjagden. Rheinland-Pfalz galt als Stammland der SPD, eines der letzten in Deutschland. Das gerade hier sich eine solche Wahlniederlage eingestellt hat, schlägt Wellen.
Die Fraktionsvorsitzende der SPD in Rheinland-Pfalz Sabine Bätzing-Lichtenthäler, richtete am Tag nach der Wahl folgendes an die Bürger:innen:
„Das Ergebnis ist ein bitteres Ergebnis für die rheinland-pfälzische SPD und dennoch gilt an diesen Tag auch mein großer Dank unserem Spitzenkandidaten Alexander Schweitzer und der gesamten rheinland-pfälzischen SPD, die gekämpft haben in diesen vergangenen Wochen und Monaten. Und insbesondere Alexander Schweitzer wirklich Tag ein Tag aus unterwegs gewesen ist [...]"
Die Wahlniederlage erschüttert die SPD aber nicht nur in Rheinland-Pfalz, sondern auch die Bundes-SPD.
In der Talkshow Caren Miosga sagt Karl Lauterbach, der ehemaligen Gesundheitsminister, folgendes zur Wahlniederlage:
„Die Hauptprobleme kommen aus dem Bund. Also das ist ganz klar, dass wir auf Bundesebene derzeit nicht überzeugen. Da darf man auch nicht drum herum reden. [...], aber ich mache mir schon seit der Bundestagswahl große Sorgen, dass wir immer mehr unserer Stammwähler an die AfD verlieren. Die Arbeiter haben jetzt zu 39 Prozent also in Rheinland-Pfalz AfD gewählt. [...] Wir verlieren diese früheren Stammwähler der SPD und wir müssen jetzt schnell handeln, damit sie nicht Stammwähler der AfD werden."
In Kürze sind also wahrscheinlich große Änderungen in der Politik und vielleicht auch in der personellen Aufstellung der SPD zu erwarten, besonders da in diesem Jahr noch drei weitere Landtagswahlen statt finden, Berlin, Sachen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Ein weiteres Anzeichen dafür ist auch eine erhebliche Niederlage der SPD im Nachbarland Baden-Württemberg.
Was sagt die Jugend?
Was würden 14- bis 18-Jährige wählen, wenn sie könnten? Im Gegensatz zu anderen Landtagswahlen oder Europawahlen gilt in Rheinland-Pfalz: Erst ab 18 ist man wahlberechtigt. Umso spannender, ob Jugendliche dem Rheinland-Pfalz-Trend gefolgt sind.
Das Ziel, dies herauszufinden, hat sich auch das Team der Juniorwahlen zum Thema gemacht. Auf ihrer Webseite schreiben sie folgendes:
„In einer Zeit, in der die über 70-jährigen die größte Gruppe der Wahlberechtigten zu Bundestagswahlen stellen und die Parteien Schwierigkeiten bei der Mobilisierung von Nachwuchs haben, ist
es besonders wichtig, Jugendliche für politische Themen zu begeistern, ihnen Gehör zu verschaffen und sie in ihren Belangen ernstzunehmen.
Die Juniorwahl möchte daher einen wichtigen Beitrag für die Einbindung junger Menschen in politische Prozesse leisten und damit langfristig eine Stärkung der Demokratie bewirken." -Ziele und Leitsätze der Juniorwahl
Anhand der Juniorwahl können Politik, Medienvertretende und Bürger:innen die Interessen der jungen Generation nachvollziehen. Auch das evangelische Trifelsgymnasium Annweiler hat daran teilgenommen. In Rheinland-Pfalz haben über 80.000 Jugendliche an der Wahl teilgenommen.
Im Vergleich zum amtlichen Ergebnis der Landtagswahl werden bei den jungen Menschen übermäßig viele Kleinparteien gewählt. Ein Ergebnis, das darauf hinweisen könnte, dass die Jugend mit der Politik nicht zufrieden ist. Diese Hypothese bestärkt auch die Ergebnisse der politischen Rand-Parteien AfD und Linke. Die AfD ist zwar nicht so stark wie im Gesamtergebnis, gewinnt aber trotzdem bei Jugendlichen viel Boden. Ein weiterer großer Gewinner ist aber die Linkspartei, welche fast zehn Prozentpunkte mehr erhält als bei der richtigen Landtagswahl. Auch die FDP ist bei Jugendlichen noch nicht vollkommen abgeschrieben. Sie knackt in der Juniorwahl knapp die fünf-Prozent-Hürde.
Der Blick auf die Region
Schaut man auf das ETGA ergeben sich weitere Unterschiede zwischem dem Ergebnis der Landtagswahl und dem der Juniorwahl am ETGA.
Am ETGA führt die SPD deutlich. Auch die Linke schneidet überdurchnittlich ab. Die AfD ist deutlich schwächer als im Landesergebnis. Statt der FDP spielen hier eher die Freien Wähler und die Tierschutzpartei eine große Rolle.
Ein Trend der sich auch in Annweiler niedersetzt? Über das SWR kann man das Ergebnis jeder Verbandsgemeinde aufrufen (zum selbst testen hier klicken).
Die SPD ist nicht nur am ETGA führende Kraft, sondern auch in Annweiler. Stattdessen besitzt die Linke keine große Rolle.
Die AfD hat in Annweiler mittlerweile ein viele Wähler:innen. Knapp 650 Menschen haben hier die AfD gewählt.
Landau wählte im Vergleich zu Annweiler deutlich anders. Hier spielten die links-progressiven Kräfte eine deutlich größere Rolle. Die SPD erreichte hier als stärkste Kraft 31,3 Prozent, die Grünen 13,6 Prozent und die Linken 8,5 Prozent.
Die CDU kommt auf 22,8 Prozent und die AfD auf 13,7 Prozent. Dieses Ergebnis spiegelt sich auch an den Landauern Schulen wider.
Das Max Slevogt Gymnasium in Landau zeigt, dass die Jugendlichen zumindest am MSG im eher linker eingestellten Landau auch deutlich linker Wählen. Die AfD ist klar unter der fünf-Prozent-Hürde, während es eine klare Mehrheit für eine rot-rot-grüne Regierungskoalition gibt.
Andere Juniorwahlergebnisse aus Landau lagen ETGAs Spickzettel nicht vor.
Es obliegt nun der CDU nach politischer Tradition, den Ministerpräsidenten zu stellen und in die Sondierungsgespräche mit der SPD zu gehen. In der Theorie wäre auch eine Koalition mit der AfD möglich. Diese wurde aber sowohl von CDU als auch von der SPD im Vorhinein ausgeschlossen.
Lasse
Weblinks:
https://www.juniorwahl.de/rheinland-pfalz; Letzter Zugriff: 26.03.2026
Ergebnis der Juniorwahl zur Landtagswahl in Rheinlandpfalz
https://www.juniorwahl.de/projekt/konzept; Letzter Zugriff: 26.03.2026
Konzept der Juniorwahl
https://landtagswahl-2026-rlp.swr.de/public/ec/ergebnis-rheinland-pfalz.html; Letzter Zugriff: 26.03.2026
Landtagswahl Ergebnis - SWR
https://landtagswahl-2026-rlp.swr.de/public/ec/ergebnis-rheinland-pfalz-analyse.html; Letzter Zugriff: 26.03.2026
Analysegrafiken über die Landtagswahl - SWR
https://landtagswahl-2026-rlp.swr.de/soci11463v0/ec/ergebnis-rheinland-pfalz-ort.html; Letzter Zugriff: 26.03.2026
Ergebnisse nach Orten - SWR
https://www.youtube.com/watch?v=PN_8KIRvV1U; Letzter Zugriff: 26.03.2026
Stement nach der Wahl - Phoenix
https://www.youtube.com/watch?v=dLEVEjs5VDk; Letzter Zugriff: 26.03.2026
Nach der Wahl in Rheinlandpfalz - Caren Miosga
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