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Klimaaktivismus: zum Beispiel in Italien

1. Radikaler Klimaaktivismus - ein deutsches Problem?

 

„Klima-Kleber-Blockaden: Auch Rettungswagen im Stau“ (BZ-Berlin) oder auch Berlin: „'Letzte

Generation' blockiert Straßen“ (ZDF), solche und so ähnliche Artikel dominieren seit Monaten die deutsche Medienlandschaft. Hierbei polarisieren die teils radikalen Klimaaktivisten der selbsternannten „Letzten Generation“ wie kaum eine andere Organisation und sorgen innerhalb der

Bevölkerung für Unmut und teilweise sogar Hass. Auch wenn die Methoden, mit

welchen diese Aktivisten ihr Ziel erreichen wollen, teilweise nicht nur umstritten, sondern sogar illegal sind, so setzen sich die Aktivisten dennoch für eine im Kern gute Sache ein: den Klimaschutz. Auch in Venedig und rund um die Region am Gardasee ist der Klimawandel und dessen Folgen ein großes Thema. Deshalb beschäftigen wir uns in diesem Artikel anlässlich unserer Kursfahrt, am besagten Gardasee samt Ausflug nach Venedig, genauer mit der Rolle der Klimaaktivisten und des Klimaaktivismus.

 

2. Italienische Klimaschutzorganisationen - Ein kurzer Überblick

 

Ähnlich wie in Deutschland hat der Klimaaktivismus, auch in Italien, in den letzten Monaten enorm an Bedeutung und Relevanz gewonnen. So berichten auch immer mehr Medien über die kontroversen Protestaktionen der italienischen Klimaaktivisten und stellen das Thema somit in den Mittelpunkt. Ähnlich wie in Deutschland haben sich auch in Italien zahlreiche

Klimaschutzorganisationen entwickelt, welche sowohl national als auch international aktiv sind. Zu besagten Organisationen zählen neben der „Ultima Generazione“, dem italienischen Pendant zur

„Letzten Generation“, auch die radikale „Extinction Rebellion Italy“ oder die recht gemäßigte, internationale Organisation „Fridays for Future Italy“, welche die italienische Form der

internationalen Bewegung „Fridays for Future“ darstellt.

 

3. Was sind die Motive und Forderungen der italienischen Organisationen?

 

Auch die Motive, das Selbstverständnis und die Forderungen der italienischen Organisationen sind mit denen der deutschen Klimaorganisationen vergleichbar. So stellt beispielsweise die

Organisation „Extinction Rebellion Italy“ klar, dass sie sich als Organisation zwar gewaltfrei, aber auch bewusst störend und an der Grenze zum Illegalen für den Klimaschutz einsetzt. Durch ihren

Einsatz will die Organisation ihre Ziele, zu welchen unter anderem die Schaffung einer gesunden und nachhaltigen Kultur weltweit oder die Emissionsfreiheit bis 2025 gehören, erreichen. Um diese Ziele zu erreichen hat „Extinction Rebellion Italy“ einige Forderungen formuliert, welche sich ebenfalls mit denen der deutschen Organisationen vergleichen lassen. Hierzu gehören

beispielsweise Forderungen nach einer absolut wahrheitsgemäßen Berichterstattung und Aufklärung über den Klimawandel durch die italienische und europäische Regierung. Zudem ist auch ein kompromissloses und sofortiges Handeln der Regierung eine erklärte Forderung der Organisation.

Neben der Regierung will die Organisation auch die Gesellschaft und somit jeden einzelnen Bürger in die Verantwortung nehmen und fordert ein entsprechendes Engagement der Bürger zu Gunsten

des Klimaschutzes. Diese anhand einer Organisation herausgearbeiteten Ziele, Motive und Werte lassen sich ebenfalls auf viele weitere italienische Organisationen übertragen.

 

4. Von Straßenblockaden bis Sachbeschädigung - Welche Aktionen vollziehen die Aktivisten?

 

Neben den klassischen Demonstrationen gibt es auch zahlreiche Protestaktionen der italienischen Klimaaktivisten, die sich im Großen und Ganzen mit den Protestaktionen von Aktivisten anderer Länder vergleichen lassen. So erregen die Klimaaktivisten Italiens beispielsweise Aufmerksamkeit, indem sie sich demonstrativ an bzw. auf vorzugsweise viel befahrenen Straßen festkleben und somit den Verkehr blockieren. Zudem kommt es in Italien immer wieder zu „Attacken“ auf

berühmte Bilder und Kunstwerke, wobei sich die Aktivisten an berühmte und wertvolle Kunstwerke kleben und teilweise auch Lebensmittel über die Kunstwerke kippen. Der letzte, unter den

Aktivisten beliebte Weg, Aufmerksamkeit zu erregen, ist das Bemalen bzw. Einfärben von

historischen und öffentlichen Bauwerken. Im Folgenden werden nun Beispiele für die oben

genannten Arten des italienischen Aktivismus genannt, welche die beschriebenen

Demonstrationsmöglichkeiten repräsentieren und eine bessere Vorstellung ermöglichen

sollen:

4.1 Errichten von Straßenblockaden

Das Errichten von Straßenblockaden ist die meistgenutzte Protestform der Klimaaktivisten, hierbei kleben bzw. ketten sich die Aktivisten auf viel befahrene Straßen mit dem Ziel, den

Verkehr möglichst lange lahmzulegen und somit die höchstmögliche Aufmerksamkeit auf ihr

Anliegen zu lenken. Diese Art des Protests ist immer wieder in sämtlichen Großstädten Italiens zu beobachten. So ereignete sich erst kürzlich, genauer am 05.05.2023, ein solcher Protest in der

italienischen Hauptstadt Rom. Hierbei klebte sich eine Gruppe oberkörperfreier Aktivisten der

„Ultima Generazione“ auf eine wichtige Verkehrsstraße. In diesem Fall konnten die örtlichen Behörden jedoch zügig eingreifen und die Blockade recht schnell auflösen und somit wieder einen Verkehrsfluss ermöglichen. Obwohl die Blockade nur von kurzer Dauer war, sorgte sie dennoch für ein Verkehrschaos in der Hauptstadt und erzeugte großen Unmut bei der Bevölkerung.

4.2 Beschädigen von Kunstwerken

Wie bereits beschrieben, ist ein weiteres beliebtes Vorgehen der Aktivisten das Beschädigen oder zumindest das Missbrauchen von Kunstwerken, vor allem Gemälden. Ein solcher Vorfall ereignete sich beispielsweise im Juli vergangenen Jahres, als sich zwei Aktivisten der „Ultima Generazione“ in den Uffizien, einem berühmten Kunstmuseum in Florenz, an „die Primavera“ des italienischen Renaissance-Künstlers Sandro Botticelli klebten und zudem demonstrativ ein Plakat mit der Aufschrift „Letzte Generation, kein Gas, keine Kohle“ präsentierten. Nach einiger Zeit gelang es dem Museumspersonal dann aber schließlich, die Aktivisten vom Bild zu entfernen, ehe diese, unter leichtem Widerstand, von der Polizei abgeführt wurden. Dem Bild, welches zu den wichtigsten Bildern der Renaissance zählt, ist bei der Aktion glücklicherweise nichts passiert.

4.3 Färben und Beschmutzen historischer Bauwerke

Eine weitere beliebte Methode des Protests ist das Einfärben historischer Bauwerke, so ereignete sich am 22.05.2023 in Reaktion auf die Flutkatastrophe in Italien, welche mehreren Menschen das Leben kostete, ein solches Protestereignis. Hierbei stieg eine fünfköpfige Gruppe der „Ultima Generazione“ in den Trevi-Brunnen in Rom. Die Aktivisten färbten das im Brunnen befindliche Wasser schwarz und zeigten ein Plakat, welches sich gegen die Verwendung fossiler Brennstoffe richtete. Wenngleich die Aktivisten recht zügig in polizeilichen Gewahrsam gelangten, gelang es ihnen dennoch, viel Aufmerksamkeit zu erregen.

 

5. Fazit: Klimaaktivismus in Italien

 

Wie auch in Deutschland ist der extreme und teils absurde Klimaaktivismus in den letzten

Monaten enorm in den öffentlichen Fokus gerückt und wird von den Medien sowie der

Gesellschaft Italiens zunehmend kritisch betrachtet. Wenngleich man die Maßnahmen der Aktivisten durchaus kritisieren darf oder sogar muss, sollte hierbei nicht vergessen werden, dass die

Aktivisten sich grundsätzlich für eine gute Sache einsetzen, hinter der wir alle stehen sollten.

 

Gastbeitrag von Nils, Tim, Theo, Phillip, Finn, Benni, Max

 

Die Redaktion dankt den Verfassern dieses Gastbeitrags. Danke Nils, Tim, Theo, Phillip, Finn, Benni und Max. Zudem wollen wir darauf aufmerkam machen, dass jede:r, die:der möchte, einen Gastbeitrag verfassen kann und uns über unsere E-Mail etgas.spickzettel@trifelsgymnasium.schule zukommen lassen kann.

Quellen:


Klima-Kleber wollen Berlin ab heute zum „Stillstand“ bringen (bz-berlin.de)
Berlin: "Letzte Generation" blockiert Straßen - ZDFheute
Extinction Rebellion - Italia
Italien: »Letzte Generation« blockiert Straßenverkehr oben ohne in Rom - DER SPIEGEL
Klimaaktivisten kleben an Botticellis „Pirmavera“ in den Uffizien (faz.net)
„Letzte Generation“ attackiert Italien-Attraktion: Klimaaktivisten färben Trevi-Brunnen in Rom
(merkur.de)


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