Über den Feueralarm

Diesen Dienstag also. Vierte Stunde. Zumindest kein Donnerstag, beim letzten, vorletzten und vorvorletzten Mal.

 

Irgendwie wussten wir dann doch, wann er kommen wird: Der Feueralarm, bei dem wir üben sollten, uns im Brandfall richtig zu verhalten. Er verlief nicht anders, als in den anderen Jahren auch: niemand nimmt es richtig ernst; niemand kriegt es hin den Alarm wieder auszuschalten und niemand ist besonders traurig über versäumte Unterrichtszeit.

 

Allerdings muss man zugeben, dass es dieses Jahr ein paar Besonderheiten gab:

  1. Eine Klasse verließ das Gebäude schon vor Beginn des Feueralarms. Den Sinn dahinter muss man nicht verstehen.
  2. Der Alarm war erstaunlich leise. Viel leiser als in den letzten Jahren. Er wirkte kaum alamierend - vor allem, wenn man sich in einem Raum ohne Lautsprecher befand.
  3. Schüler:innen der MSS 13 bekamen Aufgaben und Rollen zugeteilt. Manche mussten zurückbleiben, andere mussten als Verletzte zu den Sanitäter:innen gebracht werden.

Und da Punkt 3 einmal ein neues Erlebnis war, haben wir spontan Eva und Birk interviewt, die während des Feueralarms im Gebäude zurückbleiben mussten.

Ziel dieser Übung war, die Lehrkräfte gegenüber fehlenden Schüler:innen zu sensibilisieren und den Schüler:innen vorzuführen, was sie im Ernstfall mit verletzten Personen machen.

 

Hier das Interview:

 

 

Birk: Hallo

 

Eva: Hallo

 

Herr Jung: *läuft zufällig vorbei* Hallo

 

Eva: *lacht*

 

Birk: Allein das ist jetzt schon legendär.

 

Hannah: Wollt ihr irgendetwas darüber sagen, dass ihr zurückbleiben musstet?

 

Eva: Ich glaube, es war taktisch unklug, dass wir zu viert in einem Kurs waren, die gleichzeitig zurückbleiben mussten. So ist es natürlich mehr aufgefallen.

 

Birk: Außerdem war auch unsere Taktik nicht sonderlich…

 

Eva: Nee!

 

Birk: ...durchdacht. Also wir waren in A2.01 und wir haben einfach uns in eine Ecke gestellt. Wir waren noch nicht mal kreativ und haben gesagt, wir gehen raus und haben was vergessen und müssen nochmal rein, oder so.

 

Eva: Wir dachten auch ganz kurz, dass es Herr Hochberg nicht auffällt, weil er erst raus ist und irgendwie der ganze Kurs plötzlich weg war.

 

Birk: Das hätte mich gewundert, wenn’s ihm nicht aufgefallen wäre.

 

Eva: Ja, mich auch. Ich war ganz kurz überrascht und dann kam er wieder zurück, hat uns

gesehen und hat festgestellt, dass wir noch da waren.

 

Birk: Dann fand ich es sonderlich interessant, dass er einfach nur gefragt hat ‚Sollen die hier bleiben?‘ und wir ‚Ja‘ und dann ist er gegangen.

 

Hannah: Und wie habt ihr mitbekommen, dass ihr dableiben solltet?

 

Birk: Herr Heintz hat uns einen Zettel in die Hand gedrückt.

 

Eva: Im Kunstunterricht.

 

Birk: Dass wir gefällst im Saal bleiben sollen. Vielleicht sollten wir den auch zeigen, das haben wir nicht gemacht.

 

Eva: Aber Herr Hochberg hat das auch so gerafft.

 

Birk: Ja.

 

Eva: Und ich glaube, es war mehr so gedacht, dass man auch zwischendrin im Rausgehen hätte verschwinden sollen.

 

Birk: Ja, genau. Man geht nochmal aufs Klo, man geht um die Ecke, man geht mit einer anderen Gruppe mit. So, dass der Lehrer einfach feststellt: ‚Ah, hier fehlt jemand im Kurs‘. So nach dem Motto. Ich glaube dafür waren wir alle ein bisschen zu unkreativ, zu lustlos. Und zu planlos, vielleicht auch, um uns bemerkt zu machen.

 

Eva: Wir wussten auch nicht richtig, was wir jetzt machen durften. Also, ob wir jetzt quasi aus dem Saal raus dürfen, weil kein normaler Mensch bleibt in nem Saal und guckt nicht, ob draußen kein Nebel ist oder ob man draußen nicht durch kann und geht dann einfach raus.

 

Birk: Das ist ja sowieso ein bisschen, weil die ganzen Übungen immer… Einerseits klar, möglichst viel nach System, aber andererseits, also wenn’s hart auf hart kommt, macht jeder doch irgendwie dass, was er denkt und alles geht schief.

 

Eva: Ja und ich mein, normalerweise gibt es noch die Nebelmaschinen, die waren jetzt halt nicht da.

 

Birk: Aber ich find’s cool, dass man das machen soll. Dass es so Sachen gibt. Auch jetzt, es gab welche die krank sein sollten oder sich verletzt haben sollten. Und das dann die Sanitäter eingebunden wurden. Dass das einfach näher an den Ernstfall rangeführt wurde. Finde ich schon richtig.

 

Eva: Und ich fand’s auch voll cool, dass da die Schulsanitäter – also es gibt so eine Schulsanitäter-AG – dass die eingeplant wurden und da mithelfen sollten, aktiv und so. Fand ich cool.

 

Hannah: Wurdet ihr dann irgendwie gerettet oder wie ist das weitergegangen?

 

Birk: Wir haben uns konsequent selbst gerettet. Da waren halt Eva, Maja, Tabea und ich. Und Maja hat dann irgendwann gesagt, sie geht jetzt, hat ihr Zeug genommen und ist abgehauen.

 

Eva: Aber ich glaube, Herr Hochberg hat auch eingetragen, dass er uns gesehen hat.

 

Birk: Genau.

 

Eva: Quasi, dass wir die Person waren, die zurückbleiben sollten, aber dass er gesehen hat, dass wir da waren. Also ich glaube, eigentlich… wir waren ein bisschen unschlüssig, was wir dann machen sollen. Ob wir dann trotzdem im Klassensaal bleiben sollten oder mitgehen hätten sollen. Aber es war jetzt auch nicht dramatisch.

 

Birk: Ich glaube, wir wären gerettet worden. Weil irgendjemand hätte gemerkt, dass wir fehlen. Also, wär’s jetzt ein Ernstfall gewesen.

 

Eva: Ja.

 

Birk: Weil ich glaube, alle - vor allem in der Oberstufe - sind inzwischen einfach nur noch so ‚Oh, noch n Feueralarm, hab ich schon vierzehn mitgemacht‘.

 

Eva: Und man weiß auch immer ungefähr wann das stattfindet.

 

Hannah: Immer in der vierten Stunde.

 

Eva: Ja und es immer so zweite, dritte Woche nach den Ferien. Man hört ja dann Gerüchte und irgendwie sickert das dann doch durch. Und man kann sich’s dann auch meistens denken. Es war schon die ganze Woche so ‚Ist heute Feueralarm?‘ und ‚Nee, ich glaub nicht‘.

 

Hannah: Hat’s Spaß gemacht?

 

Eva: Mäßig.

 

Birk: Ich hab halt am Tablett gespielt. Das war lustig. Besser als draußen in der Kälte warten.

 

Eva: Das stimmt.

 

Birk: Aber dafür war’s zu unspektakulär. Also, wäre jetzt ein Ernstfall gewesen, dann hätte ich mehr Bock drauf gehabt. Oder wäre der Leiterwagen gekommen oder irgendwie. Selbst, wenn ein Feuerwehr-Typi da irgendwie hoch gekommen wäre und hätte irgendwie reingeguckt. Fände ich ein bisschen noch lustiger, aber so war’s halt: Wir bleiben im Klassenraum.

 

Eva: Ein Pluspunkt war, dass in dem Klassenraum kein Lautsprecher war, dass heißt, wir haben den Feueralarm eigentlich fast gar nicht gehört. Ich glaube, der war sogar leiser als auf dem Schulhof.

 

Birk: Was eigentlich ein großer Negativpunkt sein sollte, dass es in diesem Raum keinen Lautsprecher gibt.

 

Eva: Ja. Aber für uns in dem Fall…

 

Birk:… war’s sehr…

 

Eva: ...angenehm.

 

Hannah: Also ich war enttäuscht, dass ich nicht sehen konnte, wie ihr gerettet werdet.

 

Eva: Ja, wir waren auch ein bisschen enttäuscht.

 

Birk: Wir waren auch enttäuscht. Ich wollte schon immer mal auf einen Leiterwagen. Das steht auf meiner Bucket-List.

 

*Hier wurden Diskussionen über Birks Bucket-List und wie er dieses genaue Ziel zu umsetzen gedenkt, rausgekürzt.*

 

Hannah: Habt ihr noch was zu sagen zu diesem Feueralarm?

 

Eva: Also ich fande ihn unspektakulärer als die Feueralarme, die wir davor hatten.

 

Birk: Ja. Vielleicht sollte man, wenn jemand am Fenster klopft, das nicht nur belächeln. Da kamen ein paar… Ein paar sind runtergelaufen, also der Raum ist ja Richtung Wald dahinten und da läuft quasi niemand lang. Und ja, das ist so ein bisschen… vielleicht, wenn da tatsächlich jemand klopft, wenigstens mal jemandem Bescheid geben.

 

Eva: Ja.

 

Birk: Aber bei der Feueralarm-Probe ist das immer so ein bisschen fraglich: Macht man das tatsächlich jetzt? Jemandem Bescheid geben?

 

Eva: Wir haben halt irgendwann beschlossen, dass wir zumindest so tun, als würden wir gerettet werden wollen. Und halt einfach [ans Fenster] geklopft.

 

Birk: Frau Laux hat sehr kritisch hochgeguckt.

 

Eva: Hat sie uns gesehen?

 

Birk: Ich weiß nicht. Sie hat so ein bisschen in die Richtung geschaut und es war nicht so richtig klar, ob sie uns anguckt oder einfach nur das Schulgebäude betrachtet.

 

Eva: Es ist halt niemand durchgelaufen und hat nachgeschaut. Aber vielleicht hat auch einfach niemand gefehlt. Vielleicht war auf den Listen niemand als fehlend eingetragen.

 

Birk: Ich glaube, wenn die Schule wirklich irgendwann brennen sollte, dann ist es eh so ein unspektakulärer Brand.

 

Eva: Ja, ich glaub auch.

 

Hannah: So ne Kerze, die umfällt.

 

Eva: Ja, oder so ein Teil…

 

Birk: Da brennt eine Holztür. Was soll denn hier brennen?

 

*Wir schauen uns in der Pausenhalle um und suchen nach Brennstoff.*

 

Birk: Der Boden ist aus Stein.

 

Eva: Hier ist ja auch alles relativ Brandschutzfest gemacht.

 

Hannah: Die Sofas.

 

Birk: Bisschen Holz gibt’s hier schon. Decke, aber im Notfall kippen wir Wasser drüber.

 

Hannah: Danke, für das spontane Interview.

 

Birk: Ja, gerne, gerne.

 

Eva: Gerne.

 

 

 Hannah

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Kommentare: 3
  • #1

    Iphis (Freitag, 23 September 2022 15:47)

    Die Evakuierung und die Birkuierung.

  • #2

    HB (Donnerstag, 29 September 2022 12:02)

    Ja, ich habe an der zentralen Stelle bekannt gegeben, welche Schüler:innen des Kurses fehlen und in welchem Raum wir waren.
    Und ja: ihr hättet kreativer sein können und mich ein bisschen mehr herausfordern ;)

  • #3

    Eva und Birk (Freitag, 30 September 2022 10:26)

    @HB:
    Ja machen wir beim nächsten Mal besser. ;)