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Thema verfehlt? - Demonstrationen

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Wahrscheinlich war jeder von euch schon einmal auf einer Demonstration, egal ob es jetzt ein großer Marsch in der Großstadt oder eine kleinere Kundgebung in Annweiler war. 

Persönlich finde ich Demonstrationen extrem wichtig, weil sie ein Weg für die Bevölkerung sind, ihre Meinung auszudrücken und ein wichtiger Bestandteil unserer Demokratie sind. 

Was mir allerdings bei den letzten paar Demonstrationen, auf denen ich war, aufgefallen ist, ist folgendes: Das eigentliche Thema der Demonstration wird von manchen Redner:innen in den Hintergrund gestellt, um über ihre eigenen Interessen zu reden. Und das ist meiner Meinung nach nicht in Ordnung. 

 

Ein Beispiel: Bei der Demonstration vor dem Hohenstaufensaal am 23.3.2024,, als dort ein Bürgerdialog mit AfD-Chef Tino Chrupalla abgehalten wurde, wurde eine Rede gehalten, in der es darum ging, dass alle politischen Parteien korrupt wären. 

Weiteres Beispiel: Beim Schulstreik gegen die Wehrpflicht, der am Freitag, den 05.12.2025, in Landau stattfand, drehten sich manche Reden auch darum, dass gar keine Waffenlieferungen mehr getätigt werden sollten, es waren Palästina-Flaggen vorort und auf dem herumgereichten Parolen-Blatt waren Sachen wie „Gegen das Konstrukt aus Volk, Nation und Rasse, für uns gibt es nur eins: Klasse gegen Klasse, Krieg dem Krieg, Kampf dem Kapital […]“ oder „An jedem Krieg, in jedem Land, verdient am Schluss die Deutsche Bank“ zu lesen.


Meinungsfreiheit ist ein wichtiges Recht in unserem Land und ich werde niemandem sagen, wie er zu denken hat. Mein Punkt ist folgender: Wenn eine Demonstration ein bestimmtes Thema beinhaltet, dann sollte es auch nur um dieses Thema gehen.

Warum? Weil auf einer Demonstrationen zahlreiche Menschen versammelt sind, Menschen, die für ein Ziel und eine Meinung zusammenstehen - und auch nur diese Meinung. 

Wenn ich mich auf einer Klimademo befinde, haben Reden über die Wehrpflicht dort nichts verloren. Menschen haben sich zusammengefunden, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren, darin sind sie sich einig - aber wenn jetzt jemand das Thema der Wehrpflicht anspricht, dann gehen die Meinung wieder auseinander. Und es kann nicht sein, dass plötzlich hunderten oder tausenden versammelten Menschen eine andere politische Meinung aufgedrängt wird, als die, die sie hier zu vertreten sind. 

Persönlich achte ich deshalb auch immer mehr auf das, was gesagt wird und stelle sicher, dass ich bei Reden nur dann mitklatsche, wenn ich dem Gesagten auch zustimme. Aber viele machen dies eben nicht, oder sind grade gedanklich abgedriftet oder sind einfach nicht so tief in die Thematik eingetaucht, als dass sie das Gesagte komplett verstehen. Klar ist man da irgendwo auch selbst Schuld. Trotzdem sollte es eigentlich gar nicht erst vorkommen müssen.

Denn dadurch entsteht ein falsches Meinungsbild der Versammelten. 

 

Ich sage hier auch nicht, dass diese Meinungen völlig falsch wären. Und natürlich ist es in einigen Fällen auch durchaus sinnvoll, einen Bezug zu anderen Themen herzustellen. Aber manchmal geht es auch einfach nur um die Implikationen, zum Beispiel auch bei den Parolen, die bei Demonstrationen gerufen werden. 

Denn natürlich bin ich gegen den Faschismus. Aber wenn auf einer Demonstration gegen die Wehrpflicht Parolen wie "Alerta, alerta, antifascista!" gerufen werden, hat das für mich den Eindruck, als ob man die Einführung der Wehrpflicht mit Faschismus gleichsetzen würde - und das ist eben einfach nicht der Fall. Aber wenn man umgekehrt diese Parolen dann nicht mitaufsagt fühlt man sich direkt unwohl, weil alle um einen herum laut mitsprechen. 

 

Mein Fazit: Ich finde es sehr schade, dass auf vielen Demonstrationen, die ich besucht habe, der eigentliche Kontext verloren gegangen ist unter Reden, die teilweise nicht mal schlecht waren, aber einfach das Thema verfehlt haben. 

Bei einer Veranstaltung, die mit einem bestimmten Thema wirbt und Leute anlockt, ist es meiner Meinung nach nicht in Ordnung von den Redner:innen, bei dieser plötzlich andere Themen zu behandeln, weil das wie ein Verrat an denen wirkt, die dann tatsächlich aufgetaucht sind, um für ihre Überzeugung einzustehen. Es ist nicht in Ordnung, den anderen Versammelten die eigene Meinung durch seine:ihre Rede aufzuzwängen.
Kein:e Redner:in wird daran gehindert, eine eigene Demonstration für sein:ihr Thema zu machen und diese korrekt zu bewerben. 
Oder als Veranstalter:in von vorneherein klarzustellen, dass es eben nicht nur um das eine Thema geht - dann überlegt man sich auch zweimal, ob man doch besser nicht kommt. 

 

 

Julia

 


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