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Stadtratsmitglied, Klima-Aktivist:in oder Parteimitglied. Politisches Engagement fängt beim Unterschreiben einer Petition an und endet in Parteiarbeit.
Tagtäglich fallen Entscheidungen, die ohne dieses Engagement nie möglich gewesen wären. Um wirklich etwas zu verändern, braucht es dabei Menschen an vorderster Front. Menschen, die ihren Tag für ein Ziel opfern und sich über Wochen und Monate hinaus für dieses einsetzen!
Was also bedeutet politisches Engagement wirklich?
Politisches Engagement gibt es auch rund um Annweiler. Das Bündnis für Verkehrswende Südpfalz steht hier für ihr Ziel, eine Verkehrswende vom Auto auf die Schiene, das Fahrrad oder den Bus
umzusetzen, ein.
Das Bündnis besteht dabei aus Pro Bahn, BUND,Verkehrsclub Deutschland, Fridays for Future, Atac, dem Allgemeinem Deutschem Fahrradclub und der Bürgerinitiative Queichtal.
Ein zentrales Anliegen des Bündnisses ist die Queichtalbahn. Das ist die Zugstrecke zwischen Landau und Pirmasens.
Das Ziel: Hier soll jede halbe Stunde ein Zug fahren.
Strecke Landau-Pirmasens; OpenRailWayMap
Seit November 2024 recherchieren und begleiten wir das Projekt und haben so einiges miterlebt.
Dazu wurde im August 2026 eine Online-Petition gestartet, welche 1.829 Personen unterschrieben haben.
Es zeigte sich: Es besteht ein nicht geringes Interesse an einem Erfolg des Vorhabens.
Neben Werben für weitere Stimmen wurden gleichzeitig viele andere Termine verfolgt. Gespräche mit der Bürgerbeauftragten, Landtagsabgeordneten und Landrat stehen beinahe wöchentlich an. Und immer
wieder begegnen den Ehrenamtlichen Ablehnung, aber auch Verständnis für das Ziel.
„Wir würden ja gerne, aber das Geld fehlt" - So oder so ähnlich hört man es bei den Gesprächen immer wieder.
Das deprimiert die Bündnismitglieder:innen, aber es wird weiter gemacht. Von Gespräch zu Gespräch geht es voran. Sie handeln ganz nach dem Motto: „Wo ein Wille, da ist auch ein Weg!".
Langfristig erhofft sich Michael Schindler, einer der Petenten, Zwei-Gleisigkeit und eine Elektrifizierung der Strecke.
Erstmal soll aber der halbstündige Takt Realität werden.
Anfang Sommer 2025 steht ein Termin mit dem Landrat Dietmar Seefeldt an. Ein Name taucht dabei immer wieder auf: der Zweckverband ÖPNV Rheinland-Pfalz Süd.
Zusammen mit seinem Partner dem Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord legt er Rahmenbedingungen im öffentlichen Nahverkehr fest und kümmert sich um den Ausbau und der Reaktivierung von Infrastruktur.
Nach dem Gespräch ist das Ziel des Bündnisses neu gesetzt. Ihr Thema muss in einer Sitzung des Zweckverbandes behandelt werden.
Die Alternative dazu wäre eine Petition. Aber hat das Bündnis nicht genau das schon gemacht?
Nicht offiziell, denn eine Online-Petition über Plattformen, wie openPetition, schafft Aufmerksamkeit, erzwingt aber keine politische Auseinandersetzung mit der Petition. Das ist bei einer offiziellen Petition anders. Wird hier die Grenze an Mindestunterschriften erreicht, muss sich der Landtag auch damit befassen.
Für das Bündnis bedeutet das viel Arbeit. Wie bei der Online-Petition müssten in einem kurzen Zeitraum genug Stimmen gesammelt werden, um die Mindestgrenze, das sogenannte Quorum, zu überschreiten. Ein Kraftakt.
Um auf einer Sitzung des Zweckverbandes einen Punkt auf die Tagesordnung zu bringen, müssen zahlreiche Gespräche geführt werden, sodass das Thema publik wird. Damit liegt es im Interesse des Zweckverbandes dieses zu prüfen.
Nach zahlreichen Gesprächen dann die Information: Das Thema ist auf der Tagesordnung!
Wir fahren hin und schauen uns selbst an wie eine Sitzung aussieht. Der große Ratssaal ist voller Politker:innen. Am Rande des Saals ist ein Häppchen-Buffet aufgebaut, an dem sich aber wenig bedient wird. Die allgemeine Stimmung erleben wir, als Redakteure, kameradschaftlich und motiviert.
Die Sitzung beginnt. Schnell werden verschiedenste Themen abgeklappert und besprochen. Es gibt einzelne Wortmeldungen. Gegen Ende dann das Thema, weswegen wir hier sind, die Petition!
Tagesordnungspunkt 9.1 der Präsentation zur 75.Verbandsversammlung des ZÖPNV Rlp Süd
Was das Bündnis erwartet, ist Entäuschung. Die zwei Seiten der Präsentation über die Petition werden übersprungen. Die Sitzungsleitung erwähnt das Thema innerhalb eines Satzes.
Dass ein solches Thema auf die Tagesordnung kommt war anstrengend. Das Überspringen dieses Themas ein Schlag ins Gesicht.
Aber es geht weiter. Statt aufzugeben, werden weiter Gespräche geführt, weiter Öffentlichkeitsarbeit gemacht und weiter an der Forderung festgehalten.
Denn die Präsentation bringt auch neue Informationen. Die Forderung des Bündnisses würden sieben Millionen Euro jährlich kosten.
Eine Summe, die nach Ansichten des Bündnisses durchaus realisierbar ist.
Das Beispiel zeigt, politisches Engament ist hart, fordert Disziplin und Durchhaltevermögen. Aber es kann Themen weiterbringen oder erst ermöglichen. Dass heute einige Spätzüge auf der Queichtalbahn fahren, verbucht das Bündnis als seinen Erfolg.
Das Engagement des Bündnisses zeigt uns, wie anstrengend, aber auch wie erfüllend die politische Arbeit sein kann. Trotz vieler Rückschläge waren immer alle Teilnehmer motiviert weiterzumachen
und fest von ihrem Ziel überzeugt.
Uns Redakteur:innen wird klar, welch eine Zeit es benötigt, politische Entscheidungsprozesse zu beeinflussen. Denn seit 2015 ist die Queichtalbahn und deren Ausbau ein Thema der Region. Ein
Statement der jungen Union Südpfalz schlug schon damals einen Ausbau der Strecke vor. Seitdem hat sich wenig verändert. Umso mehr haben wir politisches Engagement in unserer Recherche schätzen
gelernt!
Was ist jetzt aber mit dem Projekt „Queichtalbahn"? Unsere Recherche und die Arbeit des Bündnisses hat gezeigt: Der Wille zu einem Ausbau ist da. Es fehlen aber oftmals die Mittel für eine
Realisierung. Dazu kommt Personalmangel der Bahn und eine durchwachsende Kommunikation der DB InfraGO zum Kreis. In Zukunft sind trotz der finanziellen Lage folgende Verbesserungen geplant:
Im Rahmen des Konzeptes Rheinland-Pfalz-Takt 2030+ soll es einen Regionalexpress von Landau nach Saarbrücken geben. Auch die Strecke Karlsruhe - Neustadt soll ausgebaut werden und die
stillgelegte Strecke Landau - Germersheim soll reaktiviert werden. Der Ausbau oder die Reaktivierung kann aber sehr viele Jahre in Anspruch nehmen.
Zudem sollen Bahnhöfe in und um Landau ausgebaut werden, darunter auch der Bahnhof LD-Godramstein, und die Anbindung an die Bahn per Bus soll verbessert werden.
Lasse, Anna, Zoe, Julia
Hinweis: Ein Teil des Recherche-Teams unterstützt die Arbeit des Bündnisses, hat dies aber zu Beginn der Recherche noch nicht getan. Wir haben uns trotzdem entschieden, dir die Arbeit einer regionalen NGO - also eine Nicht-Regierungs-Organisation - trotz eines möglichen Interessenkonflikts zu zeigen!
Quellensammlung:
https://www.verkehrswende-suedpfalz.de/
Letzter Zugriff: 16.06.2026
https://www.zoepnv-sued.de/verbandsversammlung
Letzter Zugriff: 16.06.2026
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