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Gedanken zu Schultexten

Gedanken zu Schultexten - was meine ich damit? Zu Schultexten zähle ich die Texte, die zum Beispiel in unseren Deutsch- oder Englischbüchern stehen und je nach Klassenstufe in den unterschiedlichsten Kategorieren variieren. Texte, die ein Thema nicht erklären, sondern anhand deren ein Thema erklärt wird - zum Beispiel ein englischer Text mit bestimmten Vokabeln oder Texte in Deutsch, in denen man Haupt- und Nebensätze markieren muss. 
Ich bin jetzt in der zehnten Klasse und möchte in diesem Artikel darauf eingehen, wie sich solche Texte im Laufe meiner Schulzeit verändert haben. 
Als ich mir ein paar Tage vor Schulbeginn meine Arbeitshefte in der Buchhandlung abholte, blätterte ich diese ein wenig durch - warum auch nicht? Dabei fiel mir bereits auf, dass sich sehr viele Texte in unserem neuen Englischbuch um Berufe und Jobsuche drehen. Irgendwo macht das ja auch Sinn: Wir werden älter und manche werden nach der zehnten Klasse die Schule verlassen und eine Ausbildung beginnen. 
Persönlich finde ich es zwar nicht besonders gut, dass uns jetzt so sehr vor die Nase gehalten wird, dass wir uns mit Berufen beschäftigen sollten, aber ich kann die Entscheidung der Autoren hier nachvollziehen. 
Aber auch in anderen Fächern haben sich die Texte verändert: In Deutsch, wo wir in der Grundschule Kommas in Texte über Nacherzählungen griechischer Mythen setzen mussten, geht es inzwischen um die Ungerechtigkeiten bei der Kleiderproduktion - um nur ein Beispiel zu nennen. 
Das alles ist ja auch nachvollziehbar und logisch. Aber ich weiß trotzdem nicht genau, was ich davon halten soll. Natürlich will man Grundschulkinder Texte über ernstere Themen nur ungern lesen lassen, da diese sie emotional sehr belasten könnten.
Aber ich muss sagen, auch wenn ich kein Grundschulkind mehr bin: Solche Texte zu lesen zieht einen schon runter.
Wenn es in Sozialkunde um Krieg geht, in Religion um schwierige ethische Fragen oder die Diskriminierung und Verfolgung von Menschen und in Erdkunde um Slumbewohner und ich dann noch in Deutsch einen Text über Kinderarbeit und in Englisch einen über Umweltverschmutzung lesen muss, dann ist mir das auch zu viel. Natürlich sieht nicht jeder Schultag so aus. Und natürlich kritisiere ich nicht, dass uns über solche Themen in der Schule beigebracht wird - es ist extrem wichtig, darüber zu informieren und Lösungen zu finden. Aber wenn ich zwei Stunden hinter mir habe, in denen ich mich mit schwierigen Themen auseinandersetzen musste und dann noch eine Mathearbeit schreibe, ist die Konzentration nicht ganz so gut, weil man in Gedanken noch bei anderen Themen ist. 
Zudem habe ich manchmal das Gefühl, dass unsere Schulbücher uns damit nur ein schlechtes Gewissen einreden wollen. Ich wette mit euch, dass die Leute, die Texte über Fair-Trade-Schokolade in unser Englischbuch reinkopieren, im Supermarkt auch nicht immer darauf achten. Und dass die Autoren unseres Religionsbuches, in dem es um die Frage geht, ob das Essen von Tieren moralisch vertretbar ist, selbst Fleisch essen - und dabei nicht darauf achten, ob es aus Massentierhaltung stammt oder nicht. 
Was will ich mit diesem Artikel bezwecken? Ich weiß es nicht genau. Vielleicht, anstatt in Religion wie vor zwei Jahren nicht nur fragen, wo denn unsere Kleidung herkommt und uns damit ein schlechtes Gewissen einzureden, sondern uns zeigen, wo man in der Nähe Fair-Trade oder Second Hand Klamotten herbekommt. 
In Sozialkunde haben wir neulich zum Beispiel über Umwelt-Siegel geredet und diese diskutiert - welche zum Beispiel kaum etwas aussagen und welche ein Produkt als wirklich nachhaltig auszeichnen. Wenn man schon Texte über ernste Themen in Büchern druckt, wäre es keine große Umstellung, auch Texte darüber in Bücher zu drucken, die einem sagen, wie man der Umwelt oder gesellschaftlichen Missständen aktiv helfen kann, anstatt diese nur zu erläutern - auch wenn ich dies wie gesagt immer noch eine gute Art finde, beim Lernen noch mehr wichtiges Wissen zu vermitteln. Ich sage lediglich, dass man diese Methode vielleicht ausbauen könnte.
In Erdkunde auf Spendenaktionen aufmerksam machen, für die Gebiete, um die es gerade geht, oder selbst eine zu organisieren, in Religion auch über Alternativen zur Kinderarbeit-Kleidung reden — es gäbe in vielen Fächern viele verschiedene Möglichkeiten, Missstände nicht nur anzuprangern und die Schüler:innen mit schlechtem Gewissen zurückzulassen, sondern etwas gegen diese Missstände zu tun und folglich ein gutes Gewissen zu erzeugen. Ich würde mich auf jeden Fall dafür aussprechen - Was meint ihr? 

Julia

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